Die Kommune
DIE ENTSTEHUNG DER KOMMUNE
UND DAS ZENTRALKOMITEE
Die Kommune war in Lyon, dann in Marseille, Toulouse usw. proklamiert worden, nach Sedan. Gambetta versuchte sein Bestes, um sie niederzuschlagen.
Die verschiednen Bewegungen in Paris Anfang Oktober zielten auf die Errichtung der Kommune als einer Verteidigungsmaßnahme gegen die ausländische Invasion, als Verwirklichung der Erhebung vom 4.September. Die Bewegung des 31.Oktober führte nur deshalb nicht zur Errichtung der Kommune, weil Blanqui, Flourens und die andren damaligen Führer der Bewegung den gens de paroles1 glaubten, die ihr parole d'honneur2 gegeben hatten, abzudanken und einer von allen Pariser Arrondissements frei gewählten Kommune Platz zu machen. Sie scheiterte, weil ihre Führer jenen Leuten das Leben retteten, die so begierig darauf sind, ihre Retter umzubringen. Sie ließen Trochu und Ferry entkommen, und diese fielen mit Trochus Bretonen über sie her. Man sollte sich daran erinnern, daß am 31.Oktober die selbsternannte „Verteidigungsregierung“ nur geduldet existierte. Sie hatte noch nicht einmal die Farce eines Plebiszits auf sich genommen. Unter diesen Umständen war natürlich nichts einfacher, als den Charakter der Bewegung falsch darzustellen, sie als verräterische Verschwörung mit den Preußen in Verruf zu bringen, sich die Amtsniederlegung des einzigen unter ihnen, der sein Wort nicht brechen wollte3, zunutze zu machen und durch die Ernennung von Clément Thomas zum Oberkommandanten der Nationalgarde die Bretonen Trochus zu stärken, die für die Verteidigungsregierung dasselbe waren, wie die korsischen spadassins4 für Louis Bonaparte; nichts war leichter für diese alten Panikmacher, [als] an die feigen Ängste der Mittelklasse vor den Arbeiterbataillonen, die die Initiative ergriffen hatten, zu appellieren; nichts war leichter, als durch den Appell an den Patriotismus Mißtrauen und Zwietracht unter den Arbeiterbataillonen zu säen und dadurch einen jener Tage blinder Reaktion und unheilvoller Mißverständnisse zu inszenieren, mit denen sie es immer verstanden haben, ihre usurpierte Gewalt zu behaupten. Wie sie am 4. September durch eine Überrumplung an die Macht geschlüpft waren, so waren sie nun in der Lage, dieser Macht eine Scheinsanktion zu verleihen durch eine Volksbefragung nach echt bonapartistischem Muster aus der Zeit des Terrors der Reaktion.
Hätte Anfang November 1870 die Kommune in Paris den Sieg errungen (damals war sie in den großen Städten des [Landes] schon eingeleitet und würde sicherlich in ganz Frankreich Nachahmung gefunden haben), so hätte man nicht nur den Verrätern die Verteidigung aus der Hand genommen und [sie] mit Begeisterung durchgeführt, wie der gegenwärtige heldenhafte Kampf von Paris zeigt, sondern auch der Charakter des Krieges hätte sich völlig verändert. Er wäre der Krieg des republikanischen Frankreichs geworden, das die Fahne der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts gehißt hätte, gegen Preußen, diesen Bannerträger der Eroberung und Konterrevolution. Statt den verschlissenen alten Intriganten an alle Höfe Europas betteln zu schicken, hätte es die produzierenden Massen in der alten und der neuen Welt elektrisiert. Durch die Eskamotage der Kommune am 31. Oktober sicherten die Jules Favre und Co. die Kapitulation Frankreichs vor Preußen und begannen sie den gegenwärtigen Bürgerkrieg.
Aber eins ist klar: Die Revolution vom 4. September war nicht nur die Wiedererrichtung der Republik, weil der Platz des Usurpators durch seine Kapitulation bei Sedan leer geworden war, sie eroberte nicht nur diese Republik von dem fremden Eindringling durch den langen Widerstand, den Paris leistete, obwohl es unter der Führung seiner Feinde kämpfte, – diese Revolution bahnte sich den Weg zum Herzen der arbeitenden Klassen. Die Republik hatte aufgehört, ein Name für eine Sache der Vergangenheit zu sein. Sie ging mit einer neuen Welt schwanger. Ihre wirkliche Tendenz, vor dem Auge der Welt verhüllt durch die Betrügereien, die Lügen und die Gemeinheiten einer Bande von intrigierenden Advokaten und Wortfechtern, kam immer wieder an die Oberfläche in den krampfartigen Bewegungen der arbeitenden Klassen von Paris (und Südfrankreichs), deren Losung immer die gleiche war: die Kommune!
Die Kommune, die positive Form der Revolution gegen das Kaiserreich und seine Existenzbedingungen – deren Errichtung zuerst in den Städten Südfrankreichs versucht wurde, die während der Belagerung von Paris in krampfartigen Bewegungen immer wieder proklamiert und durch die Manöver der Verteidigungsregierung und der Bretonen Trochus, des Helden des „Planes von der Kapitulation“, zum Scheitern gebracht wurde –, wurde schließlich am 26. März siegreich errichtet. Aber sie hatte nicht plötzlich an diesem Tag das Licht der Welt erblickt. Sie war das unveränderliche Ziel der Arbeiterrevolution. Die Kapitulation von Paris, die offene Verschwörung in Bordeaux gegen die Republik, der coup d’état, der mit dem nächtlichen Angriff auf Montmartre begann, scharte alle lebensbejahenden Kräfte von Paris um den Kampf für die Kommune und gestattete es den „Verteidigungsmännern“ nicht mehr, sie auf die isolierten Bemühungen der bewußtesten und revolutionärsten Teile der Pariser Arbeiterklasse zu beschränken.
Die Verteidigungsregierung war nur hingenommen worden als ein pis aller5 in der ersten Überraschung, als eine Kriegsnotwendigkeit. Die wahre Antwort des Volkes von Paris auf das Zweite Kaiserreich, das Kaiserreich der Lügen, – war die Kommune.
So datiert auch die Erhebung des ganzen lebensbejahenden Paris – mit Ausnahme der Säulen des Bonapartismus und seiner offiziellen Opposition, der großen Kapitalisten, der Börsenjobber, der Gauner, der Faulenzer und der alten Staatsparasiten – gegen die Verteidigungsregierung nicht vom 18. März, obwohl sie an diesem Tag ihren ersten Sieg gegen die Verschwörung gewann; sie datiert vom 28. Januar, vom Tag der Kapitulation! Die Nationalgarde – das sind alle bewaffneten Männer von Paris – organisierte sich und regierte in Wirklichkeit von diesem Tag an Paris, unabhängig von der von Bismarcks Gnaden eingesetzten Usurpatorenregierung der capitulards. Sie verweigerte die Ablieferung ihrer Waffen und Artillerie, die ihr Eigentum waren, die als ihr Eigentum in der Kapitulation amtlich anerkannt und ihr daher gelassen worden waren. Es war nicht die Großmut Jules Favres, die diese Waffen vor Bismarck rettete, sondern die Bereitschaft des bewaffneten Paris, gegen Jules Favre und Bismarck um seine Waffen zu kämpfen. Angesichts des fremden Eindringlings und der Friedensverhandlungen wollte Paris die Lage nicht komplizieren. Es fürchtete den Bürgerkrieg. Es beschränkte sich auf eine verteidigende Haltung und begnügte sich mit der De-facto-Selbstverwaltung von Paris. Aber es organisierte sich ruhig und unentwegt zum Widerstand. (Sogar in den Kapitulationsbedingungen hatten die capitulards unmißverständlich ihr Bestreben gezeigt, die Übergabe Frankreichs an Preußen zugleich zum Mittel ihrer Herrschaft über Paris zu machen. Die einzige Konzession von seiten Preußens, auf der sie bestanden, eine Konzession, die ihnen Bismarck als Bedingung auferlegt hätte, wenn sie sie nicht als Konzession erbettelt hätten – waren 40 000 Soldaten zur Unterdrückung von Paris. Angesichts seiner 300 000 Mann Nationalgarde – mehr als genug, um Paris gegen einen Angriff des auswärtigen Feindes zu sichern und um seine innere Ordnung zu verteidigen – konnte die Forderung nach diesen 40 000 Mann keinen andren Zweck haben; überdies wurde das offen zugegeben.) Gestützt auf ihre bestehende militärische Organisation bildete sie eine politische Föderation nach einem sehr einfachen Plan. Dies war der Zusammenschluß der ganzen Nationalgarde, die untereinander verbunden durch die Delegierten jeder Kompanie, die ihrerseits die Delegierten der Bataillone bestimmten, und diese wiederum die Hauptdelegierten, Legionsräte, von denen jeder sein Arrondissement vertreten und mit den Delegierten der anderen 19 Arrondissements zusammenarbeiten sollte. Diese von der Mehrheit der Bataillone der Nationalgarde gewählten 20 Delegierten bildeten das Zentralkomitee, das am 18. März die größte Revolution unseres Jahrhunderts einleitete und bis jetzt seinen Posten in dem gegenwärtigen ruhmvollen Kampf von Paris weiterhin innehat. Niemals waren Wahlen exakter, niemals haben Delegierte wahrhaftiger die Massen vertreten, aus denen sie hervorgegangen waren. Auf den Einwand der Außenseiter, daß sie unbekannt seien – und in der Tat, sie sind nur den arbeitenden Klassen bekannt, sie sind keine Routiniers, keine durch die Schandtaten ihrer Vergangenheit, durch die Jagd nach Unterschleif und Amt gekennzeichneten Männer –, erwiderten sie stolz: „Das waren auch die 12 Apostel“, – und sie antworteten durch ihre Taten.
DER CHARAKTER DER KOMMUNE
Die zentralisierte Staatsmaschinerie, die mit ihren allgegenwärtigen und verwickelten militärischen, bürokratischen, geistlichen und gerichtlichen Organen die lebenskräftige bürgerliche Gesellschaft wie eine Boa constrictor umklammert (umstrickt), wurde zuerst in den Zeiten der absoluten Monarchie als Waffe der entstehenden modernen Gesellschaft in ihrem Kampf um die Emanzipation vom Feudalismus geschmiedet. Die grundherrlichen Vorrechte der mittelalterlichen Feudalherren, Städte und Geistlichkeit wurden in Attribute einer einheitlichen Staatsgewalt verwandelt, die die feudalen Würdenträger durch bezahlte Staatsbeamte ersetzte und die Waffen von den mittelalterlichen Gefolgsleuten der Grundbesitzer und den Korporationen der Städtebürger an ein stehendes Heer übertrug; sie setzte an die Stelle der buntscheckigen (parteigefärbten) Anarchie sich befehender mittelalterlicher Mächte den geregelten Plan einer Staatsmacht mit einer systematischen und hierarchischen Teilung der Arbeit. Die erste französische Revolution mit ihrer Aufgabe, die nationale Einheit zu begründen (eine Nation zu schaffen), mußte jede lokale, territoriale, städtische und provinzielle Unabhängigkeit beseitigen. Sie war daher gezwungen, das zu entwickeln, was die absolute Monarchie begonnen hatte, die Zentralisation und Organisation der Staatsmacht, und den Umfang und die Attribute der Staatsmacht, die Zahl ihrer Werkzeuge, ihre Unabhängigkeit und ihre übernatürliche Gewalt über die wirkliche Gesellschaft auszudehnen, eine Gewalt, die faktisch den Platz des mittelalterlichen übernatürlichen Himmels mit seinen Heiligen einnahm. Jedes geringfügige Einzelinteresse, das aus den Beziehungen der sozialen Gruppen hervorging, wurde von der Gesellschaft selbst getrennt, fixiert und von ihr unabhängig gemacht und ihr in der Form des Staatsinteresses, das von Staatspriestern mit genau bestimmten hierarchischen Funktionen verwaltet wird, entgegengesetzt.
Dieser Schmarotzerauswuchs an der bürgerlichen Gesellschaft, der vorgibt, ihr ideales Ebenbild zu sein, erfuhr seine volle Entwicklung unter der Herrschaft des ersten Bonaparte. Die Restauration und die Julimonarchie fügten ihm nichts hinzu außer einer größeren Arbeitsteilung, die im selben Maße wuchs, wie die Arbeitsteilung innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft neue Interessengruppen und infolgedessen neuen Stoff für die Tätigkeit des Staats schuf. In ihrem Kampf gegen die Revolution von 1848 waren die parlamentarische Republik in Frankreich und alle Regierungen Kontinentaleuropas gezwungen, mit ihren Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Volksbewegung die Aktionsmittel und die Zentralisation dieser Regierungsgewalt zu stärken. Alle Revolutionen vervollkommneten auf diese Weise nur die Staatsmaschinerie, statt diesen ertötenden Alp abzuwerfen. Die Fraktionen und Parteien der herrschenden Klassen, die abwechselnd um die Herrschaft kämpften, sahen die Besitzergreifung (Kontrolle) (Bemächtigung) und die Leitung dieser ungeheuren Regierungsmaschinerie als die hauptsächliche Siegesbeute an. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stand die Schaffung ungeheurer stehender Armeen, einer Masse von Staatsparasiten und kolossaler Staatsschulden. In der Epoche der absoluten Monarchie war die Staatsmaschinerie ein Kampfmittel der modernen Gesellschaft gegen den Feudalismus, dessen Krönung die Französische Revolution war; und unter dem ersten Bonaparte diente sie nicht nur zur Unterdrückung der Revolution und Vernichtung aller Freiheiten des Volkes, sondern auch als ein Werkzeug der Französischen Revolution für den Kampf nach außen, um im Interesse Frankreichs statt feudaler Monarchien mehr oder weniger Staaten nach dem Vorbild Frankreichs auf dem Kontinent zu schaffen. Unter der Restauration und der Julimonarchie wurde sie nicht nur [ein] Mittel der gewaltsamen Klassenherrschaft der Bourgeoisie, sondern auch ein Mittel, das der direkten ökonomischen Ausbeutung eine zweite Ausbeutung des Volkes hinzufügte, indem sie den bürgerlichen Familien alle guten Stellen im Staatsapparat sicherte. In der Zeit des revolutionären Kampfes von 1848 diente sie schließlich als Mittel, diese Revolution zu vernichten und alle Versuche zur Emanzipation der Volksmassen zunichte zu machen. Aber seine letzte Entwicklung erreichte der Schmarotzer Staat erst unter dem Zweiten Kaiserreich. Die Regierungsgewalt mit ihrem stehenden Heer, ihrer alles dirigierenden Bürokratie, ihrer verdummenden Geistlichkeit und ihrer servilen Gerichtshierarchie war von der Gesellschaft selbst so unabhängig geworden, daß ein lächerlich mittelmäßiger Abenteurer mit einer gierigen Bande von Desperados hinter sich genügte, sie zu handhaben. Sie brauchte nicht mehr den Vorwand einer bewaffneten Koalition des alten Europas gegen die moderne Welt, die durch die Revolution von 1789 begründet worden war. Sie trat nicht mehr als ein Mittel der Klassenherrschaft auf, untergeordnet einem parlamentarischen Ministerium oder einer gesetzgebenden Versammlung. Unter ihrer Herrschaft sogar die Interessen der herrschenden Klassen verletzend, deren parlamentarische Komödie sie durch selbstgewählte Corps législatifs und selbstbezahlte Senate ersetzte; in ihrer absoluten Herrschaft sanktioniert durch das allgemeine Wahlrecht und durch die anerkannte Notwendigkeit, die „Ordnung“ aufrechtzuerhalten, das heißt die Herrschaft des Grundbesitzers und Kapitalisten über den Produzenten; unter den Fetzen einer Maskerade der Vergangenheit die Orgien der Korruption der Gegenwart und den Sieg der parasitären Gruppe, der Finanzschwindler, verdeckend; die Ausschweifungen aller reaktionären Einflüsse der Vergangenheit zulassend – ein Pandämonium der Niedertracht –, so hatte die Staatsmacht ihren letzten und höchsten Ausdruck im Zweiten Kaiserreich gefunden. Auf den ersten Blick schien dies der endgültige Sieg dieser Regierungsgewalt über die Gesellschaft schaft zu sein, in Wirklichkeit war es jedoch die Orgie aller verderbten Elemente dieser Gesellschaft. Den Nichteingeweihten erschien es nur als der Sieg der Exekutive über die Legislative, als die endgültige Niederlage jener Form der Klassenherrschaft, die vorgibt, die Selbstherrschaft der Gesellschaft zu sein, beigebracht [durch] eine andere ihrer Formen, die sich als eine über der Gesellschaft stehende Macht ausgibt. In der Tat aber war es nur die verkommenste und die einzig mögliche Form dieser Klassenherrschaft, die ebenso demütigend für die herrschenden Klassen wie für die arbeitenden Klassen war, die sie durch ihre Klassenherrschaft in Fesseln hielten.
Der 4. September war nur die Wiederherstellung der Republik gegen den grotesken Abenteurer, der sie erdrosselt hatte. Der wahre Gegensatz des Kaisertums selbst – das heißt der Staatsmacht, der zentralisierten vollziehenden Gewalt, von der das Zweite Kaiserreich nur die erschöpfende Formel war – war die Kommune. Jene Staatsmacht ist in Wirklichkeit die Schöpfung der Bourgeoisie, zuerst als Mittel, den Feudalismus zu zerbrechen, dann als Mittel, die Freiheitsbestrebungen der Produzenten, der Arbeiterklasse, zu unterdrücken. Alle Reaktionen und alle Revolutionen haben nur dazu gedient, diese organisierte Macht – diese organisierte Gewalt zur Versklavung der Arbeit – aus einer Hand in die andere, von einer Fraktion der herrschenden Klassen an die andere zu übertragen. Sie hatte den herrschenden Klassen als Mittel der Unterjochung und der Bereicherung gedient. Sie hatte aus jeder neuen Veränderung neue Kräfte gesogen. Sie hatte als Werkzeug gedient, um jede Volkserhebung niederzuschlagen und die arbeitenden Klassen zu unterdrücken, nachdem sie gekämpft hatten und ausgenutzt worden waren, um die Übertragung der Staatsmacht von einem Teil ihrer Unterdrücker an den andern zu sichern. Daher war die Kommune nicht eine Revolution gegen diese oder jene – legitimistische, konstitutionelle, republikanische oder kaiserliche – Form der Staatsmacht. Die Kommune war eine Revolution gegen den Staat selbst, gegen diese übernatürliche Fehlgeburt der Gesellschaft; sie war eine Wiederbelebung durch das Volk und des eignen gesellschaftlichen Lebens des Volkes. Sie war nicht eine Revolution, um die Staatsmacht von einer Fraktion der herrschenden Klassen an die andre zu übertragen, sondern eine Revolution, um diese abscheuliche Maschine der Klassenherrschaft selbst zu zerbrechen. Sie war keiner jener zwerghaften Kämpfe zwischen der Klassenherrschaft in Form der vollziehenden Gewalt und den parlamentarischen Formen der Klassenherrschaft, sondern eine Revolte gegen beide dieser Formen, die einander ergänzen, und von denen die parlamentarische Form nur das betrügerische Anhängsel der vollziehenden Gewalt war. Das Zweite Kaiserreich war die letzte Form dieser Staatsusurpation. Die Kommune war die entschiedene Negation jener Staatsmacht und darum der Beginn der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris, sie wird <ihren Weg um die Welt> machen. Sie wurde von der Arbeiterklasse Europas und der Vereinigten Staaten sogleich als das Zauberwort der Freiheit begrüßt. Der Ruhm und die vorsintflutlichen Taten des preußischen Eroberers schienen nur Trugbilder einer gewesenen Vergangenheit.
Nur die Arbeiterklasse konnte dieses neue Streben durch das Wort „Kommune“ formulieren und durch die kämpfende Kommune von Paris einleiten. Sogar der letzte Ausdruck jener Staatsgewalt – das Zweite Kaiserreich – war, wenn es auch den Stolz der herrschenden Klassen demütigte und ihre parlamentarischen Ansprüche auf Selbstregierung hinwegfegte, nur die letztmögliche Form ihrer Klassenherrschaft gewesen. Obwohl das Zweite Kaiserreich sie politisch enteignete, war es die Orgie, unter der alle ökonomischen und sozialen Schändlichkeiten ihres Regimes zur vollen Herrschaft kamen. Die mittlere Bourgeoisie und das Kleinbürgertum waren kraft ihrer ökonomischen Existenzbedingungen davon ausgeschlossen, eine neue Revolution einzuleiten, und gezwungen, dem Weg der herrschenden Klassen zu folgen oder Verbündete der Arbeiterklasse zu werden. Die Bauern waren die passive ökonomische Basis des Zweiten Kaiserreichs, dieses letzten Triumphs eines von der Gesellschaft getrennten und von ihr unabhängigen Staates. Nur die Proletarier, von der neuen sozialen Aufgabe entflammt, die sie für die gesamte Gesellschaft zu vollbringen haben, nämlich die Abschaffung aller Klassen und der Klassenherrschaft, waren imstande, das Werkzeug dieser Klassenherrschaft – den Staat –, diese zentralisierte und organisierte Regierungsgewalt zu zerbrechen, der sich anmaßt, Herr statt Diener der Gesellschaft zu sein. Das Zweite Kaiserreich, die letzte Krönung und gleichzeitig die schlimmste Prostituierung des Staates, der den Platz der mittelalterlichen Kirche eingenommen hatte, wurde im aktiven Kampf der herrschenden Klassen, mit passiver Unterstützung der Bauernschaft, gegen die Proletarier geboren. Es war gegen sie ins Leben getreten. Und von ihnen wurde es zerbrochen, nicht als besondre Form der (zentralisierten) Regierungsgewalt, sondern als ihr mächtigster und vollendetster Ausdruck der scheinbaren Unabhängigkeit von der Gesellschaft und daher auch ihre prostituierteste Wirklichkeit, von Kopf bis Fuß mit Schande bedeckt, deren Inbegriff absolute Fäulnis im Innern und absolute Ohnmacht nach außen gewesen ist.
Aber diese eine Form der Klassenherrschaft war nur zusammengebrochen, um die vollziehende Gewalt, die staatliche Regierungsmaschine, zum großen und einzigen Angriffsobjekt der Revolution zu machen.
Der Parlamentarismus in Frankreich war am Ende. Seine letzte Periode und vollste Herrschaft war die parlamentarische Republik von Mai 1848 bis zum coup d’état. Das Kaiserreich, das ihn tötete, war seine eigne Schöpfung. Unter dem Kaiserreich mit seinem Corps législatif und seinem Senat – und in dieser Form wurde es in den Militärmonarchien Preußens und Österreich reproduziert – war der Parlamentarismus eine bloße Farce gewesen, ein bloßes Anhängsel des Despotismus in seiner größten Form. Der Parlamentarismus in Frankreich war also tot, und die Arbeiterrevolution war sicher nicht darauf aus, ihn von den Toten zu erwecken.
Die Kommune – das ist die Rücknahme der Staatsgewalt durch die Gesellschaft als ihre eigne lebendige Macht, an Stelle der Gewalt, die sich die Gesellschaft unterordnet und sie unterdrückt; das ist die Rücknahme der Staatsgewalt durch die Volksmassen selbst, die an Stelle der organisierten Gewalt der Unterdrückung ihre eigne Gewalt schaffen; das ist die politische Form ihrer sozialen Emanzipation an Stelle der künstlichen Gewalt (die sich ihre Unterdrücker aneigneten) (ihre eigne Gewalt, den Unterdrückern entgegengesetzt und gegen sie organisiert) der Gesellschaft, von ihren Feinden zu ihrer Unterdrückung gehandhabt. Die Form war einfach wie alles Große. Im Gegensatz zu früheren Revolutionen – wo die für jede historische Entwicklung notwendige Zeit in der Vergangenheit immer verloreging und wo in den ersten Tagen des Triumphs des Volkes, sobald es seine siegreichen Waffen niedergelegt hatte, diese dann gegen das Volk selbst gerichtet wurden – setzte die Kommune als erstes an die Stelle der Armee die Nationalgarde.
„Zum erstenmal seit dem 4. September ist die Republik von der Regierung ihrer Feinde befreit … in der Stadt eine Nationalmiliz, die die Bürger gegen die Macht (die Regierung) verteidigt, anstatt eines stehenden Heeres, das die Regierung gegen die Bürger verteidigt.“ (Proklamation des Zentralkomitees vom 22. März.)
(Das Volk brauchte nur diese Miliz im nationalen Maßstab zu organisieren, um mit dem stehenden Heere Schluß zu machen; das ist die erste ökonomische conditio sine qua non6 für alle sozialen Verbesserungen, um diese Quelle von Steuern und Staatsschulden und diese ständige Gefahr der Regierungsusurpation durch die Klassenherrschaft – der regulären Klassenherrschaft oder der eines Abenteurers, der vorgibt, alle Klassen zu retten – sofort zu beseitigen.) Das ist gleichzeitig die sicherste Garantie gegen äußere Aggression, die faktisch den kostspieligen Militärapparat in allen andern Staaten unmöglich macht; das ist die Emanzipation der Bauern von der Blutsteuer und davon, die ergiebigste Quelle für alle staatliche Besteuerung und Staatsschulden [zu sein]. Hier schon der Punkt, in dem die Kommune ein Anreiz für den Bauern und das erste Wort seiner Emanzipation ist. Die „unabhängige Polizei“ wird beseitigt und ihre Rohlinge durch Diener der Kommune ersetzt. Das allgemeine Stimmrecht, bisher entweder für die parlamentarische Sanktion der Heiligen Staatsmacht oder als Spielzeug in der Hand der herrschenden Klassen mißbraucht, vom Volk nur anwendbar, um einmal in vielen Jahren die parlamentarische Klassenherrschaft zu sanktionieren (deren Werkzeuge zu wählen), wird seinem wirklichen Zweck angepaßt: durch die Gemeinden ihre eignen Beamten für Verwaltung und Gesetzgebung zu wählen. Beseitigung der Täuschung, daß Verwaltung und politische Leitung Geheimnisse wären, transzendente Funktionen, die nur den Händen einer ausgebildeten Kaste – Staatsparasiten, hochbezahlten Sykophanten und Sinekurlisten in den höheren Stellungen anvertraut werden könnten, die die Gebildeten der Massen aufsaugen und sie in den unteren Stellen der Hierarchie gegen sie selbst kehren. Beseitigung der Staatshierarchie überhaupt und Ersetzung der hochfahrenden Beherrscher des Volkes durch seine jederzeit absetzbaren Diener, der Scheinverantwortlichkeit durch wirkliche Verantwortlichkeit, da sie dauernd unter öffentlicher Kontrolle arbeiten. Bezahlt wie gelernte Arbeiter, 12 Pfund im Monat, das höchste Gehalt nicht über 240 Pfund im Jahr – ein Gehalt, das nach einem hohen wissenschaftlichen Gewährsmann, Professor Huxley, etwas mehr als 1/5 dessen beträgt, womit ein Angestellter des Londoner Schulrats zufrieden ist. Der ganze Trug von Staatsgeheimnissen und Staatsansprüchen wurde von einer Kommune beseitigt, die überwiegend aus einfachen Arbeitern besteht, die die Verteidigung von Paris organisieren, gegen die Prätorianer Bonapartes Krieg führen, die Versorgung dieser riesigen Stadt sichern, alle die Posten ausfüllen, die bisher zwischen Regierung, Polizei und Präfektur aufgeteilt waren; sie erledigen ihre Arbeit öffentlich, einfach, unter den schwierigsten und verwickeltsten Umständen, und erledigen sie, wie Milton sein „Paradise Lost“ schrieb, das heißt für ein paar Pfund; sie handeln vor aller Augen, ohne Ansprüche auf Unfehlbarkeit, ohne sich hinter Kanzleiausflüchten zu verstecken, und sie scheuen sich nicht, Fehler einzugestehen, indem sie sie korrigieren. Sie machen mit einem Schlag die öffentlichen Funktionen – militärische, administrative und politische – zu wirklichen Arbeiterfunktionen statt der verborgenen Eigenschaften einer ausgebildeten Kaste; (halten Ordnung in der Unruhe des Bürgerkrieges und der Revolution) (leiten Maßnahmen zur allgemeinen Erneuerung ein). Wie groß die Verdienste der einzelnen Maßregeln der Kommune auch sein mögen, ihre größte Maßregel war die Schaffung der Kommune selbst, die in einem Zeitpunkt geboren wurde, da der äußere Feind vor dem einen Tor stand und der Klassenfeind vor dem andern; und sie beweist durch ihr Dasein ihre Lebenskraft, bestätigt ihre Theorien durch ihre Taten. Ihr Erscheinen war ein Sieg über die Besieger Frankreichs. Das gefangengehaltene Paris nahm sich mit einem kühnen Sprung seine Führung Europas zurück, nicht indem es sich auf die rohe Gewalt stützte, sondern indem es an die Spitze der sozialen Bewegung trat, indem es in sich die Hoffnungen der Arbeiterklasse aller Länder verkörperte.
Wenn alle großen Städte sich nach dem Muster von Paris als Kommunen organisierten, könnte keine Regierung diese Bewegung durch den plötzlichen Vorstoß der Reaktion unterdrücken. Gerade durch diesen vorbereitenden Schritt würde die Zeit für die innere Entwicklung, die Garantie der Bewegung gewonnen. Ganz Frankreich würde sich zu selbsttätigen und sich selbstregierenden Kommunen organisieren, das stehende Heer würde durch die Volksmiliz ersetzt, die Armee der Staatsparasiten beseitigt, die klerikale Hierarchie durch die Schullehrer ersetzt, die Staatsgerichte in Organe der Kommune verwandelt werden; die Wahlen in die nationale Vertretung wären nicht mehr eine Sache von Taschenspielerstücken einer allmächtigen Regierung, sondern der bewußte Ausdruck der organisierten Kommunen; die Staatsfunktionen würden auf einige wenige Funktionen für allgemeine nationale Zwecke reduziert.
Das ist also die Kommune – die politische Form der sozialen Emanzipation, der Befreiung der Arbeit von der Usurpation (der Sklaverei) der Monopolisten der Arbeitsmittel, die von den Arbeitern selbst geschaffen oder Gaben der Natur sind. So wie die Staatsmaschine und der Parlamentarismus nicht das wirkliche Leben der herrschenden Klassen, sondern nur die organisierten allgemeinen Organe ihrer Herrschaft, die politischen Garantien, Formen und Ausdrucksweisen der alten Ordnung der Dinge sind, so ist die Kommune nicht die soziale Bewegung der Arbeiterklasse und folglich nicht die Bewegung einer allgemeinen Erneuerung der Menschheit, sondern ihr organisiertes Mittel der Aktion. Die Kommune beseitigt nicht den Klassenkampf, durch den die arbeitenden Klassen die Abschaffung aller Klassen, und folglich aller [Klassenherrschaft] erreichen wollen (weil sie kein Sonderinteresse vertritt. Sie vertritt die Befreiung der „Arbeit“, das heißt der grundlegenden und natürlichen Bedingungen des individuellen und sozialen Lebens, die nur durch Usurpation, Betrug und künstliche Machenschaften von der Minderheit der Mehrheit auferlegt werden kann), aber sie schafft das rationelle Zwischenstadium, in welchem dieser Klassenkampf seine verschiedenen Phasen auf rationellste und humanste Weise durchlaufen kann. Die Kommune kann gewaltsame Reaktionen und ebenso gewaltsame Revolutionen hervorrufen. Sie beginnt die Befreiung der Arbeit – ihr großes Ziel –, indem sie einerseits die unproduktive und schädliche Tätigkeit der Staatsparasiten abschafft, die Ursachen beseitigt, denen ein riesiger Anteil des Nationalprodukts für die Sättigung des Staatsungeheuers zum Opfer gebracht wird, und indem sie andererseits die tatsächliche örtliche und nationale Verwaltungsarbeit für Arbeiterlohn durchführt. Sie beginnt daher mit einer unermeßlichen Einsparung, mit ökonomischer Reform ebenso wie mit politischer Umgestaltung.
Wenn die kommunale Organisation einmal im nationalen Maßstab fest errichtet ist, dann wären die Katastrophen, die ihr möglicherweise noch bevorstehen, sporadische Sklavenhalter-Rebellionen, die zwar das Werk des friedlichen Fortschritts für den Augenblick unterbrechen, die Bewegung aber nur beschleunigen würden, weil sie der Sozialen Revolution das Schwert in die Hand geben.
Die Arbeiterklasse weiß, daß sie durch verschiedene Phasen des Klassenkampfes hindurch muß. Sie weiß, daß die Ersetzung der ökonomischen Bedingungen der Sklaverei der Arbeit durch die Bedingungen der freien und assoziierten Arbeit nur das progressive Werk der Zeit sein kann (jene ökonomische Umgestaltung), daß sie nicht nur eine Veränderung der Verteilung erfordern, sondern auch eine neue Organisation der Produktion, oder besser die Befreiung (Freisetzung) der gesellschaftlichen Formen der Produktion in der gegenwärtigen organisierten Arbeit (erzeugt durch die gegenwärtige Industrie) von den Fesseln der Sklaverei, von ihrem gegenwärtigen Klassencharakter, und ihre harmonische nationale und internationale Koordinierung. Die Arbeiterklasse weiß, daß dieses Erneuerungswerk immer wieder aufgehalten und behindert werden wird durch die Widerstände erworbener Anrechte und Klassene goismen. Sie weiß, daß das gegenwärtige „spontane Wirken der Naturgesetze des Kapitals und des Grundeigentums“ nur im Verlauf eines langen Entwicklungsprozesses neuer Bedingungen durch „das spontane Wirken der Gesetze der gesellschaftlichen Ökonomie der freien und assoziierten Arbeit“ ersetzt werden kann, so wie das „spontane Wirken der ökonomischen Gesetze der Sklaverei“ und das „spontane Wirken der ökonomischen Gesetze der Leibeigenschaft“ abgelöst wurde. Aber die Arbeiterklasse weiß zugleich, daß durch die kommunale Form der politischen Organisation sofort große Fortschritte erzielt werden können und daß die Zeit gekommen ist, jene Bewegung für sich selbst und die Menschheit zu beginnen.
DIE BAUERNSCHAFT
(Kriegsentschädigung.) Noch vor der Errichtung der Kommune hatte das Zentralkomitee durch sein „Journal Officiel“ erklärt: „Der Großteil der Kriegsentschädigung sollte von den Urhebern des Krieges gezahlt werden.“ Das ist die große „Verschwörung gegen die Zivilisation“, vor der sich die „Ordnungsmänner“ am meisten fürchten. Das ist die praktischste Frage. Wenn die Kommune siegt, werden die Urheber des Krieges die Kriegsentschädigung zahlen müssen; wenn Versailles siegt, werden die produzierenden Massen, die schon mit Blut, Trümmern und Kontributionen gezahlt haben, wieder zahlen müssen, und die Würdenträger der Finanz werden es sogar fertigbringen, aus der Transaktion Profit zu schlagen. Die Bezahlung der Kriegskosten wird durch den Bürgerkrieg entschieden werden. Die Kommune vertritt in diesem lebenswichtigen Punkt nicht nur die Interessen der Arbeiterklasse, des Kleinbürgertums, im wesentlichen der ganzen Mittelklasse, mit Ausnahme der Bourgeoisie (der reichen Kapitalisten) (der reichen Grundbesitzer und ihrer Staatsparasiten). Sie vertritt vor allem das Interesse der französischen Bauernschaft. Auf sie wird der Großteil der Kriegssteuern abgewälzt werden, wenn Thiers und seine „ruraux“7 siegen. Und die Leute sind dumm genug, den Ruf der „ruraux“ zu wiederholen, daß sie – die Großgrundbesitzer – den Bauern vertreten, der natürlich in der Schlichtheit seines Herzens ganz darauf versessen ist, für diese guten „Grundbesitzer“ die Milliarden Kriegsentschädigung zu zahlen, die ihn schon eine Milliarde Entschädigung für die Revolution zahlen ließen! Dieselben Leute kompromittierten absichtlich die Februarrepublik durch die Zuschlagssteuer von 45 Centimes für die Bauern, aber das taten sie im Namen der Revolution, im Namen der von ihr geschaffenen „provisorischen Regierung“. Jetzt führen sie in ihrem eignen Namen einen Bürgerkrieg gegen die Republik der Kommune, um die Kriegsentschädigung von ihren eignen Schultern auf die des Bauern abzuwälzen! Er wird natürlich entzückt darüber sein! Die Kommune wird die Zwangsaushebung abschaffen, die Ordnungspartei wird dem Bauern die Blutsteuer auferlegen. Die Ordnungspartei wird ihm den Steuereinnehmer für die Aushaltung einer parasitären und kostspieligen Staatsmaschine aufzwingen, die Kommune wird ihm eine wohlfeile Regierung geben. Die Ordnungspartei wird fortfahren, ihn durch den städtischen Wucherer zu unterdrücken, die Kommune wird ihn vom Alp der Hypotheken befreien, die auf seinem Stück Land liegen. Die Kommune wird das parasitäre Gerichtswesen – den Notar, den Gerichtsvollzieher usw. –, das die Masse seiner Einkünfte verschlingt, durch Kommunalbeamte ersetzen, die ihre Arbeit für Arbeiterlöhne verrichten, statt sich an der Arbeit des Bauern zu bereichern. Sie wird dieses ganze gerichtliche Spinngewebe beseitigen, das den französischen Bauern umgarnet, in welchem Advokaten und Maires Unterschlupf gefunden haben, diese Bourgeoisspinnen, die sein Blut saugen! Die Ordnungspartei wird ihn unter der Herrschaft des Gendarmen halten, die Kommune wird ihn ins unabhängige gesellschaftliche und politische Leben zurückführen! Die Kommune wird ihn durch den Schullehrer aufklären, die Ordnungspartei wird ihm die Verdummung durch den Pfaffen aufzwingen! Aber der französische Bauer ist vor allem ein Mann, der rechnet! Er wird es außerordentlich vernünftig finden, daß die Bezahlung der Geistlichkeit nicht mehr vom Steuereinnehmer bei ihm eingezogen, sondern der „freiwilligen Betätigung“ seines Frömmigkeitstriebs überlassen bleiben wird!
Der französische Bauer hatte Louis Bonaparte zum Präsidenten der Republik gewählt, aber die Ordnungspartei war (in der Zeit der anonymen Herrschaft der Republik unter den verfassungsgebenden und gesetzgebenden Versammlungen) der Schöpfer des Kaisertums! Was der französische Bauer wirklich bedarf, das fing er an, 1849 und 1850 zu zeigen, indem er überall seinen Maire dem Regierungspräfekten, seinen Schullehrer den Regierungspfaffen und sich selbst dem Regierungsgendarmen entgegenstellte! Der Kern der reaktionären Gesetze der Ordnungspartei im Jahre 1849 – und insbesondere im Januar und Februar 1850 – war speziell gegen die französische Bauernschaft gerichtet! Wenn der französische Bauer Louis Bonaparte zum Präsidenten der Republik gemacht hatte, weil der Bauer traditionsgemäß alle Vorteile, die er von der ersten Revolution empfangen, in seiner Einbildung auf den ersten Napoleon übertragen hatte, so bewiesen die bewaffneten Bauernaufstände in einigen französischen Departements und die Jagd der Gendarmen auf sie nach dem coup d'état, daß diese Täuschung rasch am Zusammenbrechen war! Das Kaiserreich stützte sich auf die künstlich genährten Täuschungen und die traditionellen Vorurteile des Bauern, die Kommune würde sich auf seine lebendigen Interessen und seine wirklichen Bedürfnisse stützen.
Der Haß des französischen Bauern konzentriert sich auf den „Krautjunker“, den Schloßherrn, den Mann der Entschädigungsmilliarde und auf den städtischen Kapitalisten in der Maske des Grundbesitzers, dessen Eingriff in die Rechte des Bauern niemals rascher vorangeschritten war als unter dem Zweiten Kaiserreich, zum Teil durch künstliche Maßnahmen des Staates gefördert, zum Teil naturgemäß aus der Entwicklung der modernen Landwirtschaft selbst erwachsend. Die „Krautjunker“ wissen, daß drei Monate Herrschaft der Republik der Kommune in Frankreich das Signal für den Aufstand der Bauernschaft und des landwirtschaftlichen Proletariats gegen sie wären. Daher ihr wilder Haß auf die Kommune! Was sie noch mehr als die Emanzipation des städtischen Proletariats fürchten, ist die Emanzipation der Bauern! Die Bauern würden bald das städtische Proletariat als ihren Führer und Erzieher begrüßen. Natürlich gibt es in Frankreich wie in den meisten Ländern des Kontinents einen tiefen Widerspruch zwischen den städtischen und ländlichen Produzenten, zwischen dem industriellen Proletariat und der Bauernschaft. Die Bestrebung des Proletariats, die materielle Basis seiner Bewegung ist die im großen Rahmen organisierte Arbeit, obgleich sie jetzt despotisch organisiert ist und die Produktionsmittel zentralisiert sind, obgleich sie jetzt in der Hand der Monopolisten zentralisiert sind, nicht nur als Produktionsmittel, sondern als Mittel der Ausbeutung und Versklavung des Produzenten. Was das Proletariat zu tun hat, ist den gegenwärtigen kapitalistischen Charakter dieser organisierten Arbeit und dieser zentralisierten Arbeitsmittel umzuwandeln, sie aus Werkzeugen der Klassenherrschaft und Klassenausbeutung in Formen der freien assoziierten Arbeit und in gesellschaftliche Produktionsmittel zu verwandeln. Andererseits ist die Arbeit des Bauern isoliert und seine Produktionsmittel sind zersplittert, zerstreut. Auf diesen ökonomischen Unterschieden ruht als Überbau eine ganze Welt von verschiedenen sozialen und politischen Anschauungen. Aber dieses bäuerliche Eigentum ist seit langem aus seiner normalen Phase herausgewachsen, das heißt aus der Phase, in der es eine Realität war, eine Produktionsweise und eine Eigentumsform, die den ökonomischen Bedürfnissen der Gesellschaft entsprach und die ländlichen Produzenten selbst in normale Lebensbedingungen versetzte. Es ist in seine Verfallsperiode eingetreten. Auf der einen Seite ist daraus ein breites prolétariat foncier (ländliches Proletariat) entstanden, dessen Interessen mit denen der städtischen Lohnarbeiter identisch sind. Die Produktionsweise selbst ist durch den modernen Fortschritt der Agronomie überholt. Schließlich ist das bäuerliche Eigentum selbst nominell geworden, indem es dem Bauern die Illusion des Eigentums läßt und ihn von den Früchten seiner eignen Arbeit expropriiert. Die Konkurrenz der großen Farmer, die Blutsteuer, die Staatssteuer, der Wucher des städtischen Hypothekengläubigers und die zahllosen kleinen Diebereien des Gerichtssystems, das ihn von allen Seiten umgarnt, haben ihn auf die Stellung eines indischen Raiat herabgedrückt, während seine Expropriation – sogar Expropriation von seinem nominellen Eigentum – und seine Degradation zu einem ländlichen Proletarier eine alltägliche Tatsache ist. Folglich ist das, was den Bauern vom Proletarier trennt, nicht mehr sein wirkliches Interesse, sondern sein illusionäres Vorurteil. Wenn die Kommune, wie wir gezeigt haben, die einzige Macht ist, die ihm große unmittelbare Wohltaten sogar unter ihren gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen erweisen kann, so ist sie gleichzeitig die einzige Regierungsform, die ihm die Umgestaltung seiner gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen sichern, ihn einerseits vor der Expropriation durch den Grundbesitzer bewahren und ihn andererseits aus der Bedrückung, Mühe und dem Elend, zu dem er unter dem Schein des angeblichen Eigentums verurteilt ist, retten kann; sie kann sein nominelles Eigentum an dem Boden in wirkliches Eigentum an den Früchten seiner Arbeit verwandeln, kann die Vorteile der modernen Agronomie, die von gesellschaftlichen Bedürfnissen diktiert werden und ihn jetzt täglich wie ein Feind bedrohen, mit der Erhaltung seiner Stellung als wirklich unabhängiger Produzent verbinden. Da er von der Republik der Kommune sofort Nutzen hätte, würde er ihr bald vertrauen.
UNION (LIGUE) RÉPUBLICAINE
Die Partei der Unordnung, deren Regime unter der Korruption des Zweiten Kaiserreichs seinen Gipfel erklomm, hat Paris verlassen (Auswanderung aus Paris), gefolgt von ihrem Zubehör, ihrem Anhang, ihren Dienern, ihren Staatsparasiten, ihren mouchards, ihren „Kokotten“ und der ganzen niederen Bohème (den gewöhnlichen Verbrechern), die die Ergänzung zu jener distinguierten Bohème bilden. Aber die wirklich lebenskräftigen Elemente der Mittelklassen, durch die Arbeiterrevolution von ihren Pseudovertretern befreit, haben sich zum erstenmal in der Geschichte der französischen Revolutionen von dieser Partei getrennt und sind unter ihren eignen Fahnen aufgetreten. Das ist die „Liga der republikanischen Freiheit“, die als Vermittler zwischen Paris und der Provinz wirkt, die Versailles ablehnt und unter den Bannern der Kommune marschiert.
DIE KOMMUNALREVOLUTION ALS VERTRETERIN
ALLER KLASSEN DER GESELLSCHAFT,
DIE NICHT VON FREMDER ARBEIT LEBEN
Wir haben gesehen, daß das Pariser Proletariat für den französischen Bauern kämpft und daß Versailles gegen ihn kämpft; daß die „ruraux“ die größte Furcht davor haben, daß Paris von den Bauern gehört und nicht mehr durch die Blockade von ihnen getrennt werden könnte; daß ihrem Krieg gegen Paris das Bestreben zugrunde liegt, die Bauern in ihrer Knechtschaft zu halten und sie wie zuvor als ihr „taillable à merci et miséricorde“8 Objekt zu behandeln.
Zum erstenmal in der Geschichte hat sich die kleine und die moyenne9 Bourgeoisie offen um die Revolution der Arbeiter geschart und sie als das einzige Mittel zu ihrer eignen und zu Frankreichs Rettung ausgerufen! Sie bilden mit ihnen die Hauptmasse der Nationalgarde, sie sitzen mit ihnen in der Kommune, sie vermitteln für sie in der Union républicaine!
Die wichtigsten Maßregeln, die die Kommune ergriffen hat, sind für die Rettung der Mittelklasse ergriffen worden – Maßregeln der Schuldnerklasse von Paris gegen die Gläubigerklasse! Diese Mittelklasse hatte sich in der Juni-Insurrektion (1848) gegen das Proletariat unter den Fahnen der Kapitalistenklasse, ihrer Generale und ihrer Staatsparasiten geschart. Sie wurde sogleich am 19. September 1848 durch die Ablehnung der „concordats à l'amiable“ bestraft. Der Sieg über die Juni-Insurrektion erwies sich auch zugleich als Sieg des Gläubigers, des reichen Kapitalisten über den Schuldner, die Mittelklasse. Der Gläubiger bestand unbarmherzig auf seinem Pfund Fleisch. Am 13. Juni 1849 wurde die Nationalgarde dieser Mittelklasse entwaffnet und von der Armee der Bourgeoisie niedergesäbelt! Unter dem Kaiserreich wurde diese Mittelklasse im Ergebnis der Vergeudung der Staatsressourcen, an denen sich die reichen Kapitalisten gesundgestoßen hatten, der Ausplünderung durch den Börsenschwindler, die Eisenbahnkönige, die Schwindelgesellschaften des Crédit mobilier usw. ausgeliefert und durch die Assoziationen der Kapitalisten (Aktiengesellschaften) expropriiert. Wenn sie in ihrer politischen Stellung herabgedrückt und in ihren ökonomischen Interessen beeinträchtigt wurde, so wurde sie durch die Orgien dieses Regimes sittlich entrüstet. Die Schändlichkeiten des Krieges gaben den letzten Anstoß und empörten ihre Gefühle als Franzosen. Angesichts des Unheils, das Frankreich durch diesen Krieg widerfuhr, seiner Krise des nationalen Zusammenbruchs und seines finanziellen Ruins kann – das spürt diese Mittelklasse – nicht die korrupte Klasse der Möchtegern-Sklavenhalter Frankreichs, sondern können nur die mannhaften Bestrebungen und die herkulische Kraft der Arbeiterklasse Rettung bringen!
Sie spürt, daß nur die Arbeiterklasse sie von der Pfaffenherrschaft befreien, die Wissenschaft aus einem Werkzeug der Klassenherrschaft in eine Kraft des Volkes verwandeln, die Männer der Wissenschaft selbst aus Kupplern des Klassenvorurteils, stellenjagenden Staatsparasiten und Bundesgenossen des Kapitals in freie Vertreter des Geistes verwandeln kann! Die Wissenschaft kann nur in der Republik der Arbeit ihre wahre Rolle spielen.
REPUBLIK NUR MÖGLICH ALS BEKENNTNIS
ZUR SOZIALEN REPUBLIK
Der Bürgerkrieg hat die letzten Illusionen über die „Republik“ zerstört, wie das Kaiserreich die Illusion des unorganisierten „allgemeinen Wahlrechts“ in den Händen des Staatsgendarmen und des Pfaffen. Alle lebenskräftigen Elemente Frankreichs erkennen, daß eine Republik in Frankreich und Europa nur als „Soziale Republik“ möglich ist, das heißt als Republik, die der Kapitalisten- und Grundbesitzerklasse die Staatsmaschine entreißt, um sie durch die Kommune zu ersetzen, die die „soziale Emanzipation“ offen als das große Ziel der Republik bekennt und so jene soziale Umgestaltung durch die kommunale Organisation garantiert. Jede andre Republik kann nicht sein als der anonyme Terrorismus aller monarchistischen Fraktionen, der vereinigten Legitimisten, Orleanisten und Bonapartisten, der zur Errichtung eines quelconque10 Kaiserreichs als schließlichem Ziel führt, als der anonyme Terror der Klassenherrschaft, der, wenn er seine schmutzige Arbeit getan, immer mit einem Kaiserreich enden wird!
Die Berufsrepublikaner der Krautjunker-Versammlung sind Leute, die trotz der Experimente von 1848–1851, trotz des Bürgerkriegs gegen Paris tatsächlich an die republikanische Form des Klassendespotismus als mögliche Form von Dauer glauben, während die „Ordnungspartei“ sie nur als eine Form der Verschwörung verlangt, um die Republik zu bekämpfen und die ihr einzig angemessene Form, die Monarchie, oder besser das Kaisertum, als Form des Klassendespotismus wieder einzuführen. 1848 wurden diese freiwillig<Betrogenen>in den Vordergrund geschoben, bis sie, durch die Juni-Insurrektion den Weg für die anonyme Herrschaft aller Fraktionen der Möchtegern-Sklavenhalter in Frankreich geebnet hatten. 1871 werden sie in Versailles von Anfang an in den Hintergrund geschoben, um dort als „republikanische“ Dekoration der Herrschaft Thiers’ zu figurieren und durch ihre Anwesenheit den Krieg der bonapartistischen Generale gegen Paris zu sanktionieren! Sich der Ironie nicht bewußt, halten diese Wichte ihr Parteitreffen in dem Salle de Paume (Ballhaussaal) ab, um zu zeigen, wie sie gegenüber ihren Vorgängern von 1789 heruntergekommen sind! Durch ihre Schoelcher usw. versuchten sie Paris zu bewegen, seine Waffen an Thiers auszuliefern, und durch die Nationalgarde der „Ordnung“ unter Saisset versuchten sie, es zur Entwaffnung zu zwingen! Wir sprechen nicht von den sogenannten sozialistischen Pariser Deputierten wie Louis Blanc. Sie lassen die Beleidigungen eines Dufaure und der ruraux demütig über sich ergehen, faseln von Thiers’ „gesetzlichen“ Rechten und bedecken sich durch ihr Gewinsel vor den Banditen mit Schande!
Die Arbeiter und Comte
Wenn die Arbeiter aus der Zeit des sozialistischen Sektenwesens herausgewachsen sind, so sollte man nicht vergessen, daß sie dem Comtismus niemals ins Garn gegangen sind. Diese Sekte hat der Internationale niemals etwas gegeben, außer einer Gruppe von etwa einem halben Dutzend Personen, deren Programm von Generalrat zurückgewiesen wurde. Comte ist den Pariser Arbeitern bekannt als der Prophet des Kaisertums (der persönlichen Diktatur) in der Politik, der kapitalistischen Herrschaft in der politischen Ökonomie, der Hierarchie in allen Sphären der menschlichen Tätigkeit, sogar in der Sphäre der Wissenschaft, und als der Autor eines neuen Katechismus mit einem neuen Papst und neuen Heiligen an Stelle der alten.
Wenn seine Jünger in England populärer sind als die in Frankreich, so nicht durch die Predigt ihrer Sektendoktrinen, sondern durch ihren persönlichen Wert und weil ihre Sekten die Formen des proletarischen Klassenkampfs, die ohne sie geschaffen wurden, akzeptieren, wie zum Beispiel die Trade-Unions und die Streiks in England, die von ihren Pariser Glaubensbrüdern nachgerade als Ketzerei gerügt werden.
DIE KOMMUNE (SOZIALE MASSREGELN)
Daß die Pariser Arbeiter die Initiative zu der gegenwärtigen Revolution ergriffen haben und in heroischer Selbstaufopferung die Hauptlast in diesem Kampf tragen, ist nichts Neues. Es ist das erstaunliche Merkmal aller französischen Revolutionen! Es ist nur eine Wiederholung der Vergangenheit! Daß die Revolution im Namen und offen für die Volksmassen, das heißt für die produzierenden Massen, gemacht wird, ist ein Merkmal, das diese Revolution mit allen ihren Vorgängerinnen gemein hat. Ihr neues Merkmal ist, daß das Volk nach der ersten Erhebung nicht die Waffen niedergelegt und seine Macht in die Hände der republikanischen Marktschreier der herrschenden Klassen übergeben hat, daß es durch die Errichtung der Kommune die wirkliche Leitung seiner Revolution in seine eignen Hände genommen und gleichzeitig das Mittel gefunden hat, sie im Fall des Erfolgs in den Händen des Volkes selbst zu halten, indem es die Staatsmaschinerie, die Regierungsmaschine der herrschenden Klassen, durch seine eigne Regierungsmaschine ersetzt. Darin besteht ihr unerhörtes Verbrechen! Arbeiter, die gegen das Regierungsprivileg der obern Zehntausend verstoßen und ihren Willen kundtun, die ökonomische Basis jenes Klassendespotismus zu zerbrechen, der die organisierte Staatsmacht der Gesellschaft in seinem eignen Interesse handhabte! Das ist es, was die respektablen Klassen in Europa wie in den Vereinigten Staaten von Amerika in den Paroxysmus von Krämpfen geworfen hat, das ist die Ursache für ihre Schreie des Abscheus, es sei Gotteslästerung, für ihre wilden Appelle, mit dem Volk abzurechnen, und für die gemeinen Schimpfereien und Verleumdungen, die sie von ihren Parlamentstribünen aus und in den Bedientenstuben ihrer Tagespresse loslassen!
Die größte Maßregel der Kommune ist ihr eignes Dasein, ihr Arbeiten und Handeln unter unerhört schwierigen Umständen! Die von der Kommune gehißte rote Fahne krönt in Wirklichkeit nur die Regierung der Arbeiter von Paris! Sie haben als ihr Ziel klar und bewußt die Emanzipation der Arbeit und die Umgestaltung der Gesellschaft proklamiert! Aber der wirklich „soziale“ Charakter ihrer Republik besteht nur darin, daß Arbeiter die Pariser Kommune regieren! Was ihre Maßregeln betrifft, so müssen sie nach Lage der Dinge grundsätzlich auf die militärische Verteidigung und die Versorgung von Paris beschränkt sein!
Einige gönnerhafte Freunde der Arbeiterklasse, die sogar vor den wenigen Maßregeln der Kommune, die sie für „sozialistisch“ halten, ihren Abscheu kaum verbergen, obgleich sie außer ihrer Tendenz nichts Sozialisti sches enthalten, bringen ihre Genugtuung zum Ausdruck und suchen standesgemäße Sympathien für die Pariser Kommune durch die große Entdeckung zu erschmeicheln, daß die Arbeiter immerhin vernünftige Leute seien und, wenn sie an der Macht sind, sozialistischen Unternehmungen entschlossen den Rücken kehren! In Wirklichkeit versuchen sie in Paris weder Phalanstere noch ein Ikarien zu errichten. Weise Männer ihrer Zeit! Diese wohlmeinenden Gönner, in tiefer Unkenntnis der wirklichen Bestrebungen und der wirklichen Bewegung der arbeitenden Klassen, vergessen eines.
Alle sozialistischen Gründer von Sekten gehören einer Zeit an, in der weder die Arbeiterklasse genügend geübt und organisiert war durch die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft selbst, um auf der Bühne der Weltgeschichte als historischer Akteur aufzutreten, noch die materiellen Bedingungen ihrer Emanzipation in der alten Welt selbst genügend herangereift waren. Ihr Elend bestand, aber noch nicht die Bedingungen für ihre eigene Bewegung. Die utopischen Gründer von Sekten, die in ihrer Kritik der gegenwärtigen Gesellschaft das Ziel der sozialen Bewegung klar beschrieben – die Beseitigung des Lohnarbeit mit allen seinen ökonomischen Bedingungen der Klassenherrschaft –, fanden weder in der Gesellschaft selbst die materiellen Bedingungen ihrer Umgestaltung, noch in der Arbeiterklasse die organisierte Macht und das Bewußtsein der Bewegung.
Sie versuchten, die fehlenden historischen Bedingungen der Bewegung durch phantastische Bilder und Pläne einer neuen Gesellschaft zu kompensieren, in deren Propaganda sie das wahre Mittel des Heils sahen.
Von dem Moment an, da die Bewegung der Arbeiterklasse Wirklichkeit wurde, schwanden die phantastischen Utopien, nicht weil die Arbeiterklasse das Ziel aufgegeben hatte, das diese Utopisten anstrebten, sondern weil sie die wirklichen Mittel gefunden hatte, sie zu verwirklichen, weil an die Stelle phantastischer Utopien die wirkliche Einsicht in die historischen Bedingungen der Bewegung trat und die Kräfte für eine Kampforganisation der Arbeiterklasse sich immer mehr zu sammeln begannen.
Aber die beiden Endziele der von den Utopisten verkündeten Bewegung sind auch die von der Pariser Revolution und von der Internationale verkündeten Endziele. Nur die Mittel sind verschieden, und die wirklichen Bedingungen der Bewegung sind nicht mehr von utopischen Fabeln umwölkt.
Diese gönnerhaften Freunde des Proletariats sind daher nur die Opfer ihrer eignen Ignoranz, wenn sie über die laut verkündeten sozialistischen Tendenzen dieser Revolution ihre Glossen machen. Nicht das Pariser Proletariat ist schuld daran, wenn für diese Leute die utopischen Schöpfungen der Propheten der Arbeiterbewegung immer noch die „soziale Revolution“ sind, mit andern Worten, wenn die soziale Revolution für sie immer noch „utopisch“ ist.
„Journal Officiel“ des Zentralkomitees vom 20. März:
„Die Proletarier der Hauptstadt, inmitten der défaillances11 und des Verrats der regierenden (herrschenden) Klassen, haben verstanden (compris), daß für sie die Stunde gekommen war, die Lage zu retten, indem sie die Leitung (Verwaltung) der öffentlichen Angelegenheiten (der Staatsgeschäfte) in ihre eignen Hände nahmen.“
Sie brandmarken „die politische Unfähigkeit und die moralische Altersschwäche der Bourgeoisie“ als die Quelle „von Frankreichs Unglück“.
„Die Arbeiter, die alles hervorbringen und nichts genießen, die inmitten der von ihnen angehäuften Produkte, der Frucht ihrer Arbeit und Mühe, Not leiden ... sollen sie denn nicht für ihre Emanzipation arbeiten dürfen? ... Das Proletariat hat angesichts der permanenten Bedrohung seiner Rechte, der absoluten Ablehnung aller seiner rechtmäßigen Bestrebungen, des Ruins des Landes und aller seiner Hoffnungen verstanden, daß es seine gebieterische Pflicht und sein absolutes Recht war, sein Geschick in seine eignen Hände zu nehmen und seinen Triumph zu sichern, indem es sich der Staatsgewalt bemächtigte (en s'emparant du pouvoir).“
Hier wird klar gesagt, daß die Regierung der Arbeiterklasse in erster Linie notwendig ist, um Frankreich vor dem Ruin und der Verderbnis zu retten, mit der es die herrschenden Klassen bedrohen, daß die Entfernung dieser Klassen von der Macht (der Klassen, die die Fähigkeit, Frankreich zu regieren, verloren haben) ein Erfordernis der nationalen Sicherheit ist.
Aber nicht weniger klar wird gesagt, daß die Regierung der Arbeiterklasse Frankreich retten und die nationale Sache nur vollbringen kann, wenn sie für die Emanzipation der Arbeiterklasse arbeitet, denn die Bedingungen dieser Emanzipation sind zugleich die Bedingungen der Erneuerung Frankreichs.
Die Arbeiterregierung wird verkündet als Krieg der Arbeit gegen die Monopoleigentümer an den Arbeitsmitteln, gegen das Kapital.
Der Chauvinismus der Bourgeoisie ist eine bloße Eitelkeit, die alle ihre eigenen Ansprüche national bemänteln soll. Er ist ein Mittel, durch stehende Heere die internationalen Kämpfe zu verewigen, in jedem Land die Produzenten zu unterjochen, indem man sie gegen ihre Brüder in jedem anderen Land hetzt, ein Mittel, die internationale Zusammenarbeit der Arbeiterklassen, die erste Bedingung ihrer Emanzipation, zu verhindern. Der wahre Charakter jenes Chauvinismus (seit langem zur bloßen Phrase geworden) ist nach Sedan in dem Verteidigungskrieg zum Vorschein gekommen, der von der chauvinistischen Bourgeoisie überall gelähmt wurde; er kam zum Vorschein in der Kapitulation Frankreichs, im Bürgerkrieg, der mit Bismarcks Duldung unter Thiers, diesem Hohenpriester des Chauvinismus, geführt wird! Er kam zum Vorschein in der kleinen Polizeiintrige der Antideutschen Liga12, in der Ausländerjagd in Paris nach der Kapitulation. Man hoffte, das Volk von Paris (und das ganze französische Volk) zu der Leidenschaft des Nationalhasses verdummen zu können und daß es durch künstliche Exzesse gegen die Ausländer sein wirkliches Streben und seine einheimischen Verräter vergessen würde!
Wie diese künstliche Bewegung vor dem Atem des revolutionären Paris verschwunden (vergangen) ist! Laut seine internationalen Tendenzen verkündend – denn die Sache des Produzenten ist überall die gleiche und ihr Feind überall der gleiche, welcher Nationalität (in welchem nationalen Gewand) er auch auftreten mag – verkündete Paris als einen Grundsatz die Zulassung von Ausländern in die Kommune, wählte sogar einen ausländischen Arbeiter13 (ein Mitglied der Internationale) in seine Exekutivkommission, dekretierte [die Zerstörung des] Symbols des französischen Chauvinismus – der Vendôme-Säule!
Und während seine Bourgeois-Chauvinisten Frankreich zerstückelt haben und nach dem Diktat des fremden Eroberers vorgehen, haben die Pariser Arbeiter den äußeren Feind geschlagen, indem sie ihren eignen Klassenherrschern einen Schlag versetzten, und die Grenzen beseitigt, indem sie die Stellung der Vorhut der Arbeiter aller Nationen eroberten!
Der echte Patriotismus der Bourgeoisie – so selbstverständlich für die Eigentümer der verschiedenen „nationalen“ Güter – ist infolge des kosmopolitischen Charakters ihrer finanziellen, kommerziellen und industriellen Tätigkeit zu einem bloßen Trugbild verblaßt. Unter ähnlichen Umständen würde er in allen Ländern ebenso verpuffen wie in Frankreich.
DIE DEZENTRALISATIONSBESTREBUNGEN
DER RURAUX UND DIE KOMMUNE
Es wird behauptet, daß Paris und mit ihm die anderen französischen Städte durch die Herrschaft der Bauern unterdrückt würden, und daß sein gegenwärtiger Kampf ein Kampf um die Befreiung von der Herrschaft der Bauernschaft ist! Niemals wurde eine dümmere Lüge ausgesprochen!
Paris als Mittelpunkt und Schwerpunkt der zentralisierten Regierungsmaschine unterwarf die Bauernschaft der Herrschaft des Gendarmen, des Steuereinnehmers, des Präfekten, des Pfaffen und der ländlichen Magnaten, das heißt dem Despotismus seiner Feinde, und beraubte sie allen Lebens (nahm ihr die Lebenskraft). Es unterdrückte alle Organe eines unabhängigen Lebens in den landwirtschaftlichen Bezirken. Andererseits nutzten die Regierung, der ländliche Magnat, der Gendarm und der Pfaffe, denen die zentralisierte Staatsmaschine mit ihrem Zentrum Paris den ganzen Einfluß in der Provinz übertragen hatte, diesen Einfluß für die Regierung und die Klassen aus, deren Regierung sie war, – nicht gegen das Paris der Regierung, des Parasiten, des Kapitalisten, des Faulenzers, des kosmopolitischen Bordells, sondern gegen das arbeitende und denkende Paris. Auf diese Weise wurden, durch die Regierungszentralisation mit Paris als ihrer Basis, die Bauern durch das Paris der Regierung und des Kapitalisten unterdrückt, und das Paris der Arbeiter wurde unterdrückt durch die Macht der Provinz, die in die Hände der Feinde der Bauern gelegt worden war.
Der Versailler „Moniteur“ (vom 29. März) erklärt,
„daß Paris keine freie Stadt sein kann, weil es die Hauptstadt ist“.
Das ist richtig. Paris, die Hauptstadt der herrschenden Klassen und ihrer Regierung, kann keine „freie Stadt“ und die Provinz kann nicht „frei“ sein, weil ein solches Paris die Hauptstadt ist. Die Provinz kann nur frei sein mit der Kommune in Paris. Die Ordnungspartei ist auf Paris weniger deswegen erbost, weil es seine eigne Emanzipation von ihr und ihrer Regierung verkündet hat, sondern weil es damit das Signal für die Emanzipation des Bauern und der Provinz von ihrer Herrschaft gegeben hat.
„Journal Officiel“ der Kommune, 1. April:
„Die Revolution vom 18. März hatte nicht zum alleinigen Ziel, Paris eine gewählte Kommunalvertretung zu sichern, die der despotischen Vormundschaft einer stark zentralisierten nationalen Staatsgewalt untergeordnet ist. Sie soll die Unabhängigkeit erringen und sichern für alle Gemeinden Frankreichs sowie für alle übergeordneten Gruppen, Departements und Provinzen, die untereinander zu ihrem gemeinsamen Interesse durch einen wirklich nationalen Pakt vereint sind; sie soll die Republik garantieren und für immer erhalten ... Paris hat seine scheinbare Allmacht aufgegeben, die mit seiner Selbstaufgabe identisch ist, es hat aber nicht jene moralische Macht aufgegeben, jenen geistigen Einfluß, der seiner Propaganda sooft den Sieg in Frankreich und Europa gebracht hat.“
„Wieder arbeitet und leidet jetzt Paris für ganz Frankreich, für das es durch seine Kämpfe und seine Opfer die geistige, moralische, administrative und ökonomische Erneuerung, Ruhm und Gedeihen vorbereitet." (Durch Ballon verbreitetes Programm der Pariser Kommune.)
Herr Thiers arrangierte auf seiner Reise durch die Provinzen die Wahlen, und vor allem seine eignen Wahlen in den verschiedensten Orten. Aber es gab eine Schwierigkeit. Die bonapartistischen Vertreter der Provinz waren für den Augenblick unmöglich geworden. (Außerdem wollte weder er sie, noch sie ihn.) Viele von den alten orleanistischen Routiniers erlitten dasselbe Schicksal wie die Bonapartisten. Daher war es notwendig, an die legitimistischen Grundbesitzer zu appellieren, die sich aufs Land und von der Politik völlig zurückgezogen hatten und gerade die Richtigen zum Verdummen waren. Sie haben der Versailler Versammlung den typischen Charakter gegeben, ihren Charakter der „Chambre introuvable" Ludwigs XVIII., ihren „junkerlichen“ Charakter. In ihrer Eitelkeit glaubten sie natürlich, daß nun mit dem Sturz des zweiten bonapartistischen Kaiserreiches und unter dem Schirm des fremden Eroberers endlich ihre Zeit gekommen sei, wie sie 1814 und 1815 gekommen war. Aber wieder waren sie die Dummen. Soweit sie agieren, können sie nur als Elemente der „Ordnungspartei“ und ihres „anonymen“ Terrorismus agieren, wie von 1848 bis 1851. Ihre eignen Parteiergüsse verleihen dieser Gesellschaft nur komischen Charakter. Sie sind daher gezwungen, den Gefängnisgeburtshelfer der Herzogin von Berry als Präsidenten und die Pseudorepublikaner der Verteidigungsregierung als Minister zu dulden. Sie werden abgeschoben werden, sobald sie ihre Pflicht getan haben. Aber durch dieses seltsame Zusammentreffen von Umständen – eine Laune der Geschichte – sind sie gezwungen, Paris anzugreifen, weil es gegen die „République une et indivisible"14 (so nennt es Louis Blanc; Thiers nennt es die Einheit Frankreichs) revolriert, während es ihre erste Heldentat gerade war, gegen die Einheit zu revoltieren, indem sie sich für die „Enthauptung und Enthauptstadtung“ von Paris erklärten, indem sie wünschten, daß die Versammlung in einer Provinzstadt thront. Was sie wirklich wollen, ist, zu dem zurückzukehren, was der zentralisierten Staatsmaschine vorausging, sich von deren Präfekten und Ministern mehr oder weniger unabhängig machen, und die Zentralisation durch den provinziellen und lokalen Einfluß der châteaux15 ersetzen. Sie wollen eine reaktionäre Dezentralisation Frankreichs. Was Paris will, ist, jene Zentralisation ersetzen, die ihre Pflicht gegen den Feudalismus erfüllt hat, aber zur bloßen Einheit eines künstlichen Körpers geworden ist, die sich auf Gendarmen, auf rote und schwarze Armeen stützt, das Leben der wirklichen Gesellschaft unterdrückt, wie ein Alpdruck auf ihr lastet, Paris dadurch, daß sie es einschließt und die Provinzen draußen läßt, eine „scheinbare Allmacht“ verleiht, – dieses neben der französischen Gesellschaft bestehende unitarische Frankreich will es ersetzen durch die politische Vereinigung der französischen Gesellschaft selbst, durch die kommunale Organisation.
Die wirklichen Anhänger der Zerstörung der Einheit Frankreichs sind daher die Krautjunker, die der vereinigten Staatsmaschine feindlich gegenüberstehen, soweit sie mit ihrer eignen örtlichen Wichtigkeit (ihren grundherrlichen Vorrechten) in Konflikt kommt, soweit sie der Widersacher des Feudalismus ist.
Was Paris will, ist, dieses künstliche unitarische System zerbrechen, soweit es der Widersacher der wirklichen lebenden Einheit Frankreichs und ein bloßes Werkzeug der Klassenherrschaft ist.
Comtistische Anschauungen
Leute, die überhaupt nichts begreifen von dem bestehenden ökonomischen System, sind selbstverständlich noch weniger in der Lage, die Ablehnung dieses Systems durch die Arbeiter zu begreifen. Sie können natürlich nicht begreifen, daß die soziale Umgestaltung, die die Arbeiterklasse anstrebt, das notwendige, historische, unvermeidliche Erzeugnis des bestehenden Systems selbst ist. Sie sprechen in wegwerfendem Ton von der angedrohten Abschaffung des „Eigentums“, denn in ihren Augen ist ihre gegenwärtige klassenbedingte Form des Eigentums – eine historisch vorübergehende Form – das Eigentum schlechthin, und die Abschaffung dieser Form daher die Abschaffung des Eigentums. Wie sie jetzt die „Ewigkeit“ der Herrschaft des Kapitals und des Systems der Lohnarbeit verteidigen, so hätten sie, wenn sie in der feudalen Zeit oder in der Zeit der Sklaverei gelebt hätten, das feudale System oder das System der Sklaverei verteidigt – als auf der Natur der Dinge beruhend, als spontan aus der Natur entspringend; sie wären wütend gegen die „Mißbräuche“ dieser Gesellschaftssysteme aufgetreten, hätten aber gleichzeitig von der Höhe ihrer Ignoranz herab auf die Prophezeiungen der Beseitigung dieser Systeme mit dem Dogma von ihrer „Ewigkeit“ und ihrer Berichtigung durch „moralische Hemmungen“ („Nötigungen“) geantwortet.
Sie haben in ihrer Einschätzung der Ziele der Pariser arbeitenden Klassen ebenso recht wie Herr Bismarck mit seiner Erklärung, daß das, was die Kommune will, die preußische Städteordnung sei.
Arme Leute! Sie wissen nicht einmal, daß jede gesellschaftliche Form des Eigentums ihre eigne „Moral“ hat, und daß die Form des gesellschaftlichen Eigentums, die das Eigentum zum Attribut der Arbeit macht – weit davon entfernt, individuelle „moralische Hemmungen“ zu schaffen –, die „Moral“ des Individuums von ihren Klassenschranken befreien wird.
Wie der Atem der Volksrevolution Paris verwandelt hat! Die Februarrevolution wurde die Revolution der moralischen Verachtung genannt! Sie wurde verkündet durch die Rufe des Volkes: „À bas les grands voleurs! À bas les assassins!“16 So war die Stimmung des Volkes. Was jedoch die Bourgeoisie betrifft, so wollte sie freiere Hand für ihre Korruption! Die bekam sie unter der Regierung des Louis Bonaparte (Napoleons des Kleinen). Paris, die Riesenstadt, die Stadt geschichtlicher Initiative, wurde in das maison dorée17 aller Faulenzer und Schwindler der Welt, in ein kosmopolitisches Bordell verwandelt! Nach dem Auszug der „besseren Leute“ erschien wieder das Paris der Arbeiterklasse, heroisch, selbstaufopfernd, begeistert im Gefühl seiner herkulischen Aufgabe! Keine Leichen in der Morgue, keine Unsicherheit auf den Straßen. Paris war niemals ruhiger. Statt der Kokotten die heldenhaften Weiber von Paris! Das mannhafte, standhafte, kämpfende, arbeitende, denkende Paris! Das großmütige Paris! Vor sich den Kannibalismus seiner Feinde, ergriff es Maßnahmen, damit seine Gefangenen ihm nicht mehr gefährlich werden konnten! Was Paris nicht länger mehr dulden will, das ist die Existenz der cocottes und cocodès18. Was es entschlossen ist hinauszujagen oder umzuwandeln, ist dieser unnütze, skeptische und egoistische Menschenschlag, der von der Riesenstadt Besitz ergriffen hat, um sich ihrer zu bedienen, als ob sie ihm gehörte. Keine Berühmtheit des Kaiserreichs soll das Recht haben zu sagen: „Paris ist sehr angenehm in seinen feinsten Stadtvierteln, aber in den anderen gibt es zu viele Paupers.“
(„Vérité“ vom 23. April):
„Gewöhnliche Verbrechen in Paris erstaunlich vermindert. Diebe und Kokotten, Mord und Straßenraub fehlen: alle Konservativen sind nach Versailles geflohen!“
„Nicht ein einziger nächtlicher Überfall wurde gemeldet, nicht einmal in den abgelegenen und unbelebtesten Vierteln, seitdem die Bürger ihre eigene Polizei sind.“