10
[Wiedergabe einer Rede von Friedrich Engels
über die Beziehungen Mazzinis zur Internationale]
[Aus einem Zeitungsbericht über die Sitzung des Generalrats
vom 25. Juli 1871]
[„The Eastern Post“
Nr. 148 vom 29. Juli 1871]
Bürger Engels sagte, nach dem Papst solle nun der Anti-Papst an die Reihe kommen; er habe zu berichten, daß Giuseppe Mazzini die Internationale in den Spalten seines Blattes angekündigt hat1. Mazzini habe dort festgestellt, er wüßte, das italienische Volk liebe ihn und er liebe es auch. Danach habe Mazzini weiter gesagt:
„Eine Assoziation ist entstanden, welche droht, alle Ordnung zu zerstören“ (die gleichen Worte hatte der Papst gebraucht). „Sie wurde vor einigen Jahren gegründet, und ich weigerte mich von Anfang an, ihr anzugehören. Sie wird von einem Rat geleitet, dessen Sitz sich in London befindet und dessen Seele Karl Marx ist, ein begabter Kopf, aber wie Proudhon zerstörend, eine Herrschernatur, der auf den Einfluß anderer Leute eifersüchtig ist. Der Rat selbst, welcher aus Männern verschiedener Nationalität besteht, kann bei der Behandlung der Übel, an welchen die Gesellschaft leidet, weder ein gemeinsames Ziel verfolgen noch eine einheitliche Gesinnung haben, um diese Übel zu beseitigen. Deshalb trat ich und trat auch die italienische Zweigstelle der Demokratischen Allianz (London) aus der Assoziation aus. Die drei Hauptlehrsätze der Internationale sind: erstens, die Negation Gottes, das heißt aller Moral; zweitens, die Negation des Vaterlands, das sie in ein Konglomerat von Kommunen auflösen will, deren unweigerliches Schicksal es sein würde, untereinander in Streit zu geraten; drittens, die Negation des Eigentums, also die Beraubung jedes Arbeitenden um die Früchte seiner Arbeit, denn das Recht auf persönliches Eigentum ist nichts anderes als das Recht eines jeden auf das, was er geschaffen hat.“
Nachdem er sich über diese Punkte lang und breit ausgelassen, habe Mazzini mit dem Rat an die italienische Arbeiterklasse geschlossen, sich unter seinem Banner fest zu einer Anti-Liga gegen die Internationalen zusammenzuschließen, Vertrauen in die Zukunft Italiens zu haben, für die Zukunft und den Ruhm des Landes zu arbeiten und eigne Konsumläden zu gründen (keine Produktivgenossenschaften), damit alle so viel Gewinn wie möglich erhalten können.
Man werde gleich sehen, daß Mazzini sich in einem wichtigen Punkt widerspricht: an einer Stelle sagte er, „er weigerte sich von Anfang an, der Internationale anzugehören“, um später festzustellen, daß er aus ihr ausgetreten sei. Wie es möglich sei, daß ein Mensch aus etwas austrete, dem er nie angehörte, müsse der Phantasie der Öffentlichkeit überlassen bleiben. Tatsache sei, daß Mazzini nie Mitglied der Internationale war, jedoch versucht hat, sie in sein Werkzeug zu verwandeln. Er entwarf ein Programm, welches dem provisorischen Rat unterbreitet, jedoch abgelehnt wurde. Mehrere Versuche des Majors Wolff – der inzwischen als Polizeispitzel entlarvt wurde –, die das gleiche Ziel verfolgten, gingen ebenfalls daneben. Bis vor kurzem habe Mazzini sich von jeder Einmischung in die Internationale ferngehalten.
Was die Anschuldigungen gegen die Internationale betreffe, so seien sie entweder unwahr oder absurd. Die erste, daß die Internationale den Atheismus obligatorisch machen möchte, sei eine Lüge, die in der Antwort des Sekretärs des Generalrats auf Jules Favres Zirkular bereits widerlegt worden ist2. Die zweite Anschuldigung sei absurd; denn indem die Internationale kein Vaterland anerkennt, erstrebt sie die Einheit und nicht die Auflösung: Sie ist gegen den Schrei nach Nationalität, weil diese Losung auf die Trennung der Völker abzielt und von Tyrannen ausgenutzt wird, um Vorurteile zu schaffen und Feindschaft zu säen; die Rivalität zwischen der romanischen und der teutonischen Race habe zu dem vergangenen katastrophalen Krieg geführt und sei von Napoleon ebenso wie von Bismarck ausgenutzt worden. Die dritte Anschuldigung verrät nur Mazzinis Ignoranz in den elementarsten Fragen der politischen Ökonomie. Die Internationale beabsichtige keineswegs, das persönliche Eigentum, das jedem die Früchte seiner Arbeit garantiert, abzuschaffen, sondern sie wolle es im Gegenteil herstellen. Gegenwärtig gingen die Früchte der Arbeit der Massen in die Taschen einiger weniger, und dieses System kapitalistischer Produktion beabsichtige Mazzini, unverändert zu lassen, während die Internationale es zu vernichten bemüht ist. Die Internationale strebe an, daß jeder das Produkt seiner Arbeit erhält. Die Briefe aus Italien bewiesen, daß die italienischen Arbeiter mit der Internationale gehen und sich durch Mazzinis leere Sophistik nicht verleiten lassen.
Aus dem Englischen.