[Erster Entwurf zum
„Bürgerkrieg in Frankreich“]
Die Verteidigungsregierung
Vier Monate nach Beginn der Kampfhandlungen, als die Verteidigungsregierung [der] Pariser Nationalgarde einen Köder hingeworfen hatte, indem sie ihr erlaubte, ihre Kampffähigkeit in Buzenval zu zeigen, hielt die Regierung den geeigneten Augenblick für gekommen, um Paris auf die Kapitulation vorzubereiten. Auf der Versammlung der Maires von Paris zur Frage der Kapitulation enthüllte Trochu in Gegenwart und mit Unterstützung von Jules Favre und einigen anderen seiner Kollegen schließlich seinen „Plan“. Wörtlich sagte er:
„Die erste Frage, die mir von meinen Kollegen am Abend des 4. September vorgelegt wurde, war die: Kann Paris mit irgendwelcher Aussicht auf Erfolg eine Belagerung der preußischen Armee aushalten? Ich zögerte nicht, dies zu verneinen. Mehrere meiner hier anwesenden Kollegen werden einstehn für die Wahrheit dieser meiner Worte und für mein Beharren auf dieser Meinung. Ich sagte ihnen, in diesen selben Worten, daß, wie die Dinge lägen, der Versuch, Paris gegen eine preußische Belagerung zu behaupten, eine Torheit sei. Ohne Zweifel, fügte ich hinzu, eine heroische Torheit; aber mehr wäre es nicht … Die Ereignisse haben meine Voraussicht nicht Lügen gestraft.“
Trochus Plan war daher vom ersten Tage der Proklamierung der Republik an die Kapitulation von Paris und von Frankreich. Er war faktisch der Oberbefehlshaber der Preußen. In einem Brief an Gambetta bekannte Jules Favre selbst so viel, daß der niederzuschlagende Feind nicht der preußische Soldat, sondern der Pariser (Revolutionär) „Demagoge“ sei. Die hochtönenden Versprechungen, welche die Verteidigungsregierung dem Volk gemacht hatte, waren daher lauter bewußte Lügen. Ihren „Plan“ führten sie systematisch durch, indem sie die Verteidigung von Paris bonapartistischen Generalen übertrugen, die Nationalgarde desorganisierten und unter der Mißwirtschaft von Jules Ferry den Hunger organisierten, Die Versuche der Pariser Arbeiter am 5. Oktober, 31. Oktober usw., an die Stelle dieser Verräter die Kommune zu setzen, wurden als Verschwörungen mit dem Preußen niedergeschlagen Nach der Kapitulation wurde die Maske fallen gelassen (beiseite geworfen). Die capitulards wurden eine Regierung von Bismarcks Gnaden. Als seine Gefangenen schlossen sie mit ihm einen allgemeinen Waffenstillstand, dessen Bedingungen Frankreich entwaffneten und jeden weiteren Widerstand unmöglich machten. In Bordeaux als Regierung der Republik wieder auferstanden, fehten diese selben capitulards durch Thiers, ihren Ex-Botschafter, und Jules Favre, ihren auswärtigen Minister, im Namen der Mehrheit der sogenannten Nationalversammlung und lange vor der Erhebung von Paris Bismarck inbrünstig an, Paris zu entwaffnen und zu besetzen und „seine Kanaille“ niederzuschlagen, wie Bismarck selbst bei seiner Rückkehr aus Frankreich nach Berlin seinen Bewunderern in Frankfurt spöttisch erzählte. Die Besetzung von Paris durch die Preußen – das war das letzte Wort des „Plan“ der Verteidigungsregierung. Die zynische Unverschämtheit, mit der dieselben Leute seit ihrer Niederlassung in Versailles vor Preußen kriechen und nach seiner bewaffneten Einmischung rufen, hat selbst die feile Presse Europas verblüfft. Die Heldentaten der Pariser Nationalgarde, seitdem sie nicht mehr unter, sondern gegen die capitulards kämpft, hat auch den größten Zweifler gezwungen, das Wort „Verräter“ den frechen Stirnen der Trochu, Jules Favre und Co. einzubrennen. Die von der Kommune beschlagnahmten Dokumente haben schließlich die juristischen Beweise für ihren Hochverrat beigebracht. Unter diesen Papieren befinden sich Briefe der bonapartistischen sabreurs1, denen die Ausführung von Trochus „Plan“ anvertraut worden war, in denen diese elenden Schurken Witze reißen und sich lustig machen über ihre eigene „Verteidigung von Paris“ (vgl. zum Beispiel den Brief von Alphonse-Simon Guiod, Oberkommandant der Artillerie der Pariser Verteidigungsarmee, Großkreuz der Ehrenlegion, an Susane, Divisionsgeneral der Artillerie; der Brief wurde vom „Journal Officiel“ der Kommune veröffentlicht).
Es ist daher offensichtlich, daß die Männer, die jetzt die Versailler Regierung bilden, dem Schicksal überführter Verräter nur durch einen Bürgerkrieg, den Untergang der Republik und eine monarchische Restauration unter dem Schutz der preußischen Bajonette entgehen können.
Aber – und das ist äußerst charakteristisch für die Männer des Kaiserreichs, ebenso wie für die Männer, die nur auf seinem Boden und in seiner Atmosphäre zu Scheinvolkstribunen sich entwickeln konnten – die siegreiche Republik würde sie nicht nur als Verräter brandmarken, sie hätte sie als gemeine Verbrecher dem Kriminalgericht übergeben müssen. Man sehe sich nur Jules Favre, Ernest Picard und Jules Ferry an, diese Großen der von Thiers' geführten Verteidigungsregierung!
Eine Reihe beglaubigter gerichtlicher Aktenstücke, die sich über ungefähr 20 Jahre erstrecken und von Herrn Millière, Abgeordneter zur Nationalversammlung, veröffentlicht wurden, beweisen, daß Jules Favre, in ehebrecherischer wilder Ehe lebend mit der Frau eines in Algier wohnenden Trunkenbolds, durch eine höchst verwickelte Verkettung verwegner Fälschungen es fertiggebracht hatte, im Namen seiner Bastarde eine große Erbschaft zu erschleichen, die ihn zum reichen Mann machte, und daß nur die Begünstigung der bonapartistischen Gerichte ihn in einem von den rechtmäßigen Anwärtern unternommenen Prozesse vor der Entdeckung rettete. So ist Jules Favre, dieses salbungsvolle Sprachrohr von Familie, Religion, Eigentum und Ordnung, schon lange dem Code pénal verfallen. Lebenslängliche Zwangsarbeit wäre unter jeder anständigen Regierung sein unvermeidliches Los.
Ernest Picard, der gegenwärtige Versailler Minister des Innern, der sich am 4. September selbst zum Minister des Innern der Verteidigungsregierung ernannte, nachdem er vergeblich versucht hatte, von Louis Bonaparte ernannt zu werden, – dieser Ernest Picard ist der Bruder eines gewissen Arthur Picard. Als er gemeinsam mit Jules Favre und Co. die Unverschämtheit hatte, diesen seinen biedern Bruder als Kandidaten für das Corps législatif im Departement Seine-et-Oise vorzuschlagen, veröffentlichte die Regierung des Kaiserreichs zwei Dokumente: einen Bericht der Polizeipräfektur (vom 31. Juli 1867), welcher besagte, daß dieser Arthur Picard als „escroc“2 von der Börse ausgeschlossen wurde, und ein anderes Dokument, vom 11. Dezember 1868, nach welchem Arthur den Diebstahl von 300 000 frs. gestanden hatte, von ihm begangen als Direktor eines Zweigbüros der Société générale, rue Palestro Nr.5. Ernest machte nicht nur seinen biedern Arthur zum Chefredakteur seines eignen Blattes „L'Électeur libre“, das unter dem Kaiserreich gegründet wurde und bis heute erscheint, ein Blatt, in dem die Republikaner täglich als „Räuber, Banditen und partageux" beschimpft werden, sondern, einmal Minister des Innern der „Verteidigung“ geworden, beschäftigte Ernest Arthur als seinen finanziellen Vermittler zwischen dem Ministerium des Innern und der Börse, um dort die ihm anvertrauten Staatsgeheimnisse in baren Profit zu verwandeln.
Die ganze „Geschäfts“-Korrespondenz zwischen Ernest und Arthur ist in die Hände der Kommune gefallen. Wie der rührselige Jules Favre ist Ernest Picard, der Joe Miller der Versailler Regierung, ein dem Code pénal und den Galeeren verfallner Mann!
Um dieses Trio voll zu machen: Jules Ferry, vor dem 4. September ein armer brotloser Advokat, hatte, nicht zufrieden damit, die Hungersnot in Paris zu organisieren, es fertiggebracht, aus dieser Hungersnot ein Vermögen für sich herauszuschwindeln. Der Tag, an dem er sich für seine Betrügereien während der Belagerung von Paris zu verantworten haben wird, wird für ihn der Tag des jüngsten Gerichts sein.
Kein Wunder also, daß diese Männer, die nur in einer von preußischen Bajonetten geschützten Monarchie hoffen können, den Galeeren zu entgehen, die nur in der Unruhe des Bürgerkriegs ihr ticket-of-leave(1) erlangen können, daß diese Desperados sogleich von Thiers ausgesucht und von den Krautjunkern als sicherste Werkzeuge der Konterrevolution akzeptiert wurden!
Kein Wunder, daß, als Anfang April gefangene Nationalgardisten in Versailles den wilden Exzessen der „Lämmer“ Piétris und des Mobs von Versailles ausgesetzt waren, Herr Ernest Picard, „die Hände in den Hosentaschen, von Trupp zu Trupp spazierte und Witze riß“, während „auf dem Balkon der Präfektur Madame Thiers, Madame Jules Favre und ein Schwarm ähnlicher Damen in bester Gesundheit und Laune zusahen" und sich an jener widerlichen Szene ergötzten. Kein Wunder also, daß, während der eine Teil Frankreichs unter der Ferse der Eroberer stöhnt, während Paris, das Herz und Haupt Frankreichs, täglich Ströme seines besten Blutes in der Selbstverteidigung gegen die einheimischen Verräter vergießt ..., die Thiers, Favre und Co. im Palast Ludwigs XIV. wilden Gelagen frönen, wie zum Beispiel der großen fête3, die Thiers zu Ehren von Jules Favre bei dessen Rückkehr aus Rouen gab (wohin er geschickt worden war, um mit den Preußen zu konspirieren) (vor ihnen zu kriechen). Es ist die zynische Orgie entkommener Verbrecher!
Wenn die Verteidigungsregierung anfangs Thiers zu ihrem Auswärtigen Botschafter machte, der an alle Höfe Europas betteln ging, um dort einen König für Frankreich gegen ihre Intervention gegen Preußen einzutauschen, wenn sie ihn später auf eine Rundreise durch die französischen Provinzen schickte, um dort mit den châteaux4 zu konspirieren und die allgemeinen Wahlen im geheimen vorzubereiten, welche, zusammen mit der Kapitulation, Frankreich im Handstreich nehmen sollten, – so machte Thiers seinerseits sie zu seinen Ministern und hohen Beamten. Sie waren zuverlässige Leute.
Es gibt etwas recht Mysteriöses in Thiers' Vorgehen – seine Verwegenheit bei der Beschleunigung der Pariser Revolution. Nicht damit zufrieden, Paris aufzustacheln durch die antirepublikanischen Demonstrationen seiner Krautjunker, durch die Drohungen, Paris zu enthaupten und zu enthauptstadten (décaper et décapitaliser), durch Dufaures – Thiers' Justizminister – Gesetz vom 10. März über die échéances5 der Wechsel, das den Pariser Handel mit dem Bankrott bedrohte, durch die Ernennung orleanistischer Gesandten, durch die Verlegung der Nationalversammlung nach Versailles, durch die Erhebung einer neuen Zeitungssteuer, durch die Beschlagnahme der republikanischen Pariser Blätter, durch die Erneuerung des Belagerungszustandes, der zuerst von Palikao verhängt und mit dem Sturz der bonapartistischen Regierung am 4. September aufgehoben worden war, durch die Ernennung des décembreur und Ex-Senators Vinoy zum Gouverneur von Paris, des bonapartistischen Gendarmen Valentin zum Polizeipräfekten und des Jesuitengenerals Aurelle de Paladines zum Oberkommandanten der Nationalgarde von Paris, – nicht zufrieden damit eröffnete er den Bürgerkrieg mit schwachen Kräften durch Vinoys Angriff auf die Höhen von Montmartre, durch den Versuch, zuerst den Nationalgardisten die Geschütze wegzunehmen, die ihnen gehörten und die ihnen durch die Pariser Konvention nur deshalb belassen wurden, weil sie ihr Eigentum waren; auf diese Weise gedachte er, Paris zu entwaffnen.
Woher dieser fiebrige Eifer, d'en finir6? Paris zu entwaffnen und niederzuschlagen war selbstverständlich die erste Voraussetzung für eine monarchistische Konterrevolution; aber ein verschlagener Intrigant wie Thiers konnte das Scheitern des heiklen Unternehmens, indem er es ohne gehörige Vorbereitung und mit lächerlich unzureichenden Mitteln begann, nur deshalb riskieren, weil er unter dem Druck eines ungeheuer notwendig gewordenen Schrittes stand. Sein Beweggrund war folgender. Durch Vermittlung seines Finanzministers Pouyer-Quertier hatte Thiers ein Anlehen von zwei Milliarden beantragt, sofort zahlbar, und von einigen weiteren Milliarden, die zu bestimmten Fristen folgen sollten. Bei dieser Transaktion war jenen großen Bürgern – Thiers, Jules Favre, Ernest Picard, Jules Simon, Pouyer-Quertier usw. ein wahrhaft königliches pot-de-vin (Trinkgeld) vorbehalten. Aber die Sache hatte einen Haken. Bevor sie den Vertrag endgültig siegelten, wünschten die Kontrahenten eine Garantie: die Befriedung von Paris. Daher Thiers' rücksichtsloses Vorgehen. Daher der wilde Haß auf die Pariser Arbeiter, die eigensinnig genug waren, ihn bei diesem hübschen Geschäft zu stören.
Was die Jules Favres, Picards usw. anbetrifft, so haben wir genug gesagt, um zu beweisen, daß sie würdige Komplizen eines solchen Geschäfts waren. Was Thiers selber anbetrifft, so ist wohlbekannt, daß er sich während seiner beiden Amtsperioden als Minister unter Louis-Philippe 2 Millionen verschaffte, und daß man ihn in seiner Amtszeit als Premier (vom März 1840) von der Tribüne der Deputiertenkammer wegen seines Unterschleifs anklagte, worauf er als Antwort Tränen vergoß – einen Artikel, den er ebenso freigebig verteilt wie Jules Favre und der gefeierte Komödiant Frédéric Lemaître. Nicht weniger bekannt ist es, daß die erste Maßnahme, die Herr Thiers traf, um Frankreich vor dem ihm durch den Krieg drohenden Finanzruin zu retten, war – sich selbst mit einem Jahressold von 3 Millionen frs. auszustatten, mit genau der gleichen Summe, die Louis Bonaparte 1850 von Herrn Thiers und seiner Bande in der gesetzgebenden Versammlung als Entgelt dafür bekam, daß er ihnen die Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts gestattete. Diese Ausstattung des Herrn Thiers mit 3 Millionen war das erste Wort „jener sparsamen Republik", worauf er seinen Pariser Wählern 1869 Aussicht gemacht hatte. Was Pouyer-Quertier betrifft, so ist er Baumwollspinner in Rouen. 1869 war er der Führer eines Fabrikanten-Konklaves, das eine allgemeine Kürzung der Löhne zur „Eroberung“ des englischen Marktes für notwendig erklärte, – eine Intrige, die von der Internationale vereitelt wurde. Pouyer-Quertier, sonst ein glühender und völlig serviler Anhänger des Kaisertums, fand nur einen Fehler an ihm, seinen Handelsvertrag mit England, der seinen eignen Fabrikanteninteressen schadete. Sein erster Schritt als Finanzminister des Herrn Thiers war, den „verhaßten“ Vertrag anzuklagen und die Notwendigkeit zu verkünden, die alten Schutzzölle für seinen eignen Betrieb wieder einzuführen. Sein zweiter Schritt war der patriotische Versuch, das Elsaß durch die wiedereingeführten alten Schutzzölle zu treffen, unter dem Vorwand, daß in diesem Fall kein internationaler Vertrag ihrer Wiedereinführung im Wege stünde. Durch diesen Meisterstreich wäre sein eigner Betrieb in Rouen den gefährlichen Wettbewerb der Konkurrenzfabriken in Mülhausen losgeworden. Sein letzter Schritt war, seinem Schwiegersohn, Herrn Roche-Lambert, das Amt eines Generalsteuereinnehmers des Loiret zum Geschenk zu machen, eine der reichen Pfründen, die den regierenden Bourgeois in den Schoß fällt – und derselbe Pouyer-Quertier hatte es seinem bonapartistischen Vorgänger, Herrn Magne, so sehr übelgenommen, daß dieser seinem eigenen Sohn diese fette Pfründe gegeben hatte! Dieser Pouyer-Quertier war also gerade der rechte Mann für die Ausübung des obenerwähnten Geschäfts.
<30. März. „Rappel“. Jules Ferry, Ex-Maire von Paris, hat durch Zirkular vom 28. März den Akzisebeamten verboten, irgendwelche Steuern für die Stadt Paris weiter zu erheben.>
Kleine Staatsschuftereien, – ein kleiner Charakter ... ein angenagtes Gewissen ... ewiger Anstifter von Parlamentsintrigen ... kleinliche Schliche und Kniffe ... Einstudieren seiner Predigten über Liberalismus, über die „libertés nécessaires“7 ... emsig bemüht ... starke Gründe abzuwägen gegen möglichen Mißerfolg ... zwingende Beweisgründe, die aufwiegen ... Art Heroismus in übertriebener Gemeinheit ... erfolgreiche Kriegslisten im Parlament ...
<Herr E. Picard ist ein Lump, der während der ganzen Dauer der Belagerung an der Börse die Niederlagen unserer Armeen in baren Profit verwandelt hat.>
<Blutbad, Verrat, Brandstiftung, Meuchelmord, Verleumdung, Lüge.>
In seiner Rede vor der Versammlung der Maires usw. (25. April) sagt Thiers selber, daß
„die Mörder von Clément Thomas und Lecomte“ eine Handvoll Verbrecher [sind] „und desgleichen jene, die mit Recht als geistige Urheber oder als Helfershelfer dieser Verbrecher angesehn werden können, das heißt eine sehr kleine Zahl von Individuen“).
Dufaure
Dufaure möchte Paris niederwerfen durch Verfolgungen der Presse in den Provinzen. Ungeheuerlich – Zeitungen vor Gericht zu bringen, weil sie „Versöhnung" predigen.
Dufaure spielt in Thiers' Intrige eine wichtige Rolle. Durch sein Gesetz vom 10. März brachte er den ganzen verschuldeten Pariser Handel auf. Durch sein Gesetz über Hausmieten bedrohte er ganz Paris. Beide Gesetze sollten Paris dafür strafen, daß es Frankreichs Ehre gerettet und die Übergabe an Bismarck 6 Monate verzögert hatte. Dufaure ist Orleanist und „Liberaler" im parlamentarischen Sinne des Wortes. Folglich war er immer der Minister der Unterdrückung und des Belagerungszustands.
Er übernahm sein erstes Ministeramt am 13. Mai 1839, nach der Niederlage der dernière prise d'armes8 der republikanischen Partei und war daher in der damaligen Juliregierung der Minister erbarmungsloser Unterdrückung.
Am 2. Juni 1849 berief Cavaignac, der am 29. Oktober (1848) zur Aufhebung des Belagerungszustands gezwungen war, zwei Minister Louis-Philippes in sein Kabinett (Dufaure für Inneres und Vivien). Er ernannte sie auf Verlangen der rue de Poitiers (Thiers), welche Garantien forderte. Er hoffte, sich so die Unterstützung der Monarchisten für die bevorstehenden Präsidentenwahlen zu sichern. Dufaure gebrauchte die ungesetzlichsten Mittel, um Cavaignacs Kandidatur sicherzustellen. Einschüchterung und Wählerbestechung wurden niemals in größerem Maßstab praktiziert. Dufaure überschwemmte Frankreich mit Schmähschriften gegen die anderen Kandidaten, besonders gegen Louis Bonaparte, was ihn nicht hinderte, später Minister Louis Bonapartes zu werden. Dufaure wurde wiederum der Minister des Belagerungszustands vom 13. Juni 1849 (anläßlich der Demonstration der Nationalgarde gegen die Beschießung Roms usw. durch die französische Armee). Jetzt ist er wieder der Minister des Belagerungszustands, der in Versailles (für das Departement Seine-et-Oise) verhängt wurde. Thiers erhält Vollmacht, über jedes beliebige Departement den Belagerungszustand zu erklären. Ebenso wie 1839 und 1849 will Dufaure neue Repressionsgesetze, neue Preßgesetze, ein Gesetz zur „Verkürzung der Formalitäten an den Kriegsgerichten". In einem Zirkular an die procureurs généraux bezeichnet er den Ruf nach „Versöhnung" als ein Preßverbrechen, das streng geahndet werden muß. Es ist bezeichnend für das französische Gerichtswesen, daß nur ein einziger procureur général (der von Mayenne9) Dufaure schrieb, er werde zurücktreten...
„Ich kann einem Ministerium nicht dienen, das mir in einer Zeit des Bürgerkriegs befiehlt, mich in Parteikämpfe zu stürzen und Bürger, die mein Gewissen für unschuldig hält, zu verfolgen, weil sie das Wort Versöhnung ausgesprochen haben.“
Dufaure gehörte 1847 zur „Union libérale“, die gegen Guizot konspirierte, wie er zur „Union libérale“ von 1869 gehörte, die sich gegen Louis Bonaparte verschworen.
In bezug auf das Gesetz vom 10. März und das Hausmietengesetz muß bemerkt werden, daß sowohl Dufaures wie Picards, beide sind Advokaten, beste Klienten sich unter den Hausbesitzern und den Geldsäcken befinden, die durch die Belagerung von Paris nichts verlieren wollen.
Jetzt, wie nach der Februarrevolution 1848, sagen diese Leute zu der Republik, wie der Henker zu Don Carlos sagte: „Je vais t'assassiner, mais c'est pour ton bien“. (Ich werde dich morden, aber zu deinem eignen Besten.)
Lecomte und Clément Thomas
Nach Vinoys Versuch, die Buttes10 von Montmartre zu nehmen (am 18. März wurden sie11 um 4 Uhr im Park von Château-Rouge erschossen), wurden General Lecomte und Clément Thomas gefangengenommen und von denselben erregten Soldaten des 81. Linienregiments erschossen. Es war ein kurzer Akt der Lynchjustiz, vollzogen trotz des dringenden Einspruchs einiger Delegierter des Zentralkomitees. Lecomte, ein Halsabschneider mit Schulterstücken, hatte auf der place Pigalle seinen Truppen viermal befohlen, auf einen unbewaffneten Haufen von Weibern und Kindern zu feuern. Statt auf das Volk zu schießen, erschossen die Soldaten ihn. Clément Thomas, Ex-Wachtmeister und „General“, ohne Umstände von den Herren des „National“, dessen gérant er gewesen war, am Vorabend der Junimassaker (1848) ernannt, hatte sein Schwert niemals in das Blut eines anderen Feindes als der Pariser Arbeiterklasse getaucht. Er war einer der finstren Intriganten, die die Juni-Insurrektion bewußt provozierten, und einer ihrer grausamsten Henker. Als am 31. Oktober 1870 die Pariser proletarischen Nationalgarden die „Verteidigungsregierung“ im Stadthause überrumpelten und gefangensetzten, gaben diese selbsternannten Leute, diese gens de paroles, wie einer von ihnen, Picard, sie neulich nannte, ihr Ehrenwort, daß sie der Kommune Platz machen würden. Nachdem man ihnen so gestattet hatte, ungestraft zu entkommen, warfen sie Trochus Bretonen gegen ihre allzu vertrauensseligen Fänger. Einer von ihnen jedoch, Herr Tamisier, legte sein Amt als Oberkommandant der Nationalgarde nieder. Er lehnte es ab, sein Ehrenwort zu brechen. Da hatte wieder Clément Thomas’ Stunde geschlagen. Er wurde an Tamisiers Stelle zum Oberkommandanten der Nationalgarde ernannt. Er war der richtige Mann für Trochus „Plan“. Er führte niemals gegen die Preußen Krieg, er führte Krieg gegen die Nationalgarde, die er desorganisierte, spaltete und verleumdete, indem er alle dem „Plan“ Trochus feindlichen Offiziere beseitigte, einen Teil der Nationalgarden gegen den andern ausspielte und sie bei „Ausfällen“ opferte, die so geplant waren, daß sie sie lächerlich machen mußten. Verfolgt von den Schatten seiner Juniopfer mußte dieser Mann ohne offizielle Befugnis notwendig wieder auf [dem] Kriegsschauplatz des 18. März erscheinen, wo er ein neues Blutbad unter dem Volk von Paris witterte. Er fiel im ersten Augenblick der Volksempörung der Lynchjustiz zum Opfer. Die Leute, die Paris der Gnade des décembriseur Vinoy ausgeliefert hatten, um die Republik zu morden und die im Vertrag Pouyer-Quertiers festgesetzten pots-de-vin13 einzustecken, schrien jetzt: Mörder, Mörder! Ihr Geheul wurde von der europäischen Presse aufgenommen, die so nach dem Blut der „Proletarier“ gierte. Eine Posse hysterischer „Empfindsamkeit“ wurde in der Kraut-junker-Versammlung inszeniert, und heute wie damals waren die Leichen ihrer Freunde höchst willkommne Waffen gegen ihre Feinde. Paris und das Zentralkomitee wurden für einen Vorfall verantwortlich gemacht, der außerhalb ihrer Kontrolle lag. Es ist bekannt, wie in den Junitagen 1848 die „Ordnungsmänner“ Europa mit ihrem Schrei der Entrüstung gegen die Insurgenten wegen der Ermordung des Erzbischofs von Paris14 erschütterten. Sogar schon damals wußten sie durch das Zeugnis des Herrn Jacquemet, des vicaire général15 des Erzbischofs, der diesen zu den Barrikaden begleitet hatte, recht gut, daß der Bischof von den Truppen Cavaignacs erschossen worden war und nicht von den Insurgenten; aber sein Leichnam paßte ihnen in den Kram. Herr Darboy, der gegenwärtige Erzbischof von Paris, einer der Geiseln, die von der Kommune zur Selbstverteidigung gegen die wilden Grausamkeiten der Versailler Regierung festgenommen worden war, scheint jedoch die seltsame Ahnung zu hegen, wie aus seinem Brief an Thiers hervorgeht, – daß Papa Transnonain darauf aus sein könnte, mit seiner Leiche als einem Gegenstand heiliger Entrüstung zu spekulieren. Kaum ein Tag verging, an dem die Versailler Presse nicht seine Hinrichtung anzeigte, zu welcher die fortgesetzten Grausamkeiten und Verletzung des Kriegsrechts seitens der „Ordnungspartei“ jede andere Regierung außer der der Kommune getrieben hätten. Die Versailler Regierung hatte kaum einen ersten militärischen Erfolg erzielt, als Hauptmann Desmaret, der an der Spitze seiner Gendarmen den ritterlichen Flourens meuchelmordete, von Thiers ausgezeichnet wurde. Flourens hatte den „Verteidigungsmännern“ am 31. Oktober das Leben gerettet. Vinoy, der Feigling (Ausreißer), wurde zum Großkreuz der Ehrenlegion ernannt, weil er unseren tapferen Genossen Duval, als er gefangengenommen wurde, innerhalb der Feldschanzen morden ließ, weil er, als zweite Rate, mehrere Dutzend gefangene Angehörige der Linientruppen, die sich dem Volk von Paris angeschlossen hatten, erschießen ließ und diesen Bürgerkrieg durch die „Dezembermethoden“ eröffnete. General Galliffet – „der Gatte jener bezaubernden Marquise, deren Maskenballkostüme eins der Wunder des Kaiserreichs waren“, wie ein Londoner Skribent es zartfühlend ausdrückt, „überraschte“ bei Rueil einen Hauptmann, einen Leutnant und Gemeine der Nationalgarde, ließ sie sofort erschießen und veröffentlichte unverzüglich eine Proklamation, in der er sich der Tat rühmt. Das sind ein paar von den Mördern, die die Versailler Regierung offiziell bekanntgemacht und geehrt hat. 25 Soldaten des 80. Linienregiments wurden von Soldaten des 75. Regiments als „Rebellen“ erschossen.
„Jeder, der in der Uniform der regulären Armee in den Reihen der Kommunisten ergriffen wurde, wurde ohne jedes Erbarmen auf der Stelle erschossen. Die Regierungstruppen waren beispiellos grausam.“
„Herr Thiers teilte die ermunternden Einzelheiten von Flourens’ Tod der Nationalversammlung mit.“
Versailles, 4. April. Thiers, dieser mißgebildete Zwerg, berichtet über seine nach Versailles gebrachten Gefangnen (in seiner Proklamation):
„Niemals war der betrübte Blick ehrlicher Leute“ (der Männer Piétris!) „auf so entwürdigte Gesichter einer entwürdigten Demokratie gefallen.“
„Vinoy erhebt Einspruch gegen irgendwelche Gnade für aufständische Offiziere oder Liniensoldaten.“
Am 6. April Dekret der Kommune über Vergeltungsmaßregeln (und Geiseln):
„In Erwägung, daß die Versailler Regierung die Gesetze der Menschlichkeit und die des Krieges offen mit Füßen tritt und daß sie sich solcher Greuel schuldig gemacht hat, durch die nicht einmal die Invasoren Frankreichs sich entehrt haben … wird dekretiert usw.“ (Folgen die Artikel.16)
5. April. Proklamation der Kommune:
„Täglich erschlagen oder erschießen die Banditen von Versailles unsere Gefangenen, und stündlich erfahren wir, daß ein neuer Mord begangen worden ist … Das Volk verabscheut Blutvergießen selbst im Zorn, so wie es den Bürgerkrieg verabscheut, aber es ist seine Pflicht, sich gegen die wilden Anschläge seiner Feinde zu schützen, und was es auch kosten möge, es soll Aug’ um Auge, Zahn um Zahn sein.“
‹„Die Polizeisergeanten, die gegen Paris kämpfen, bekommen 10 frs. pro Tag.“›
Versailles. 11. April. Scheußlichste Einzelheiten über die kaltblütige Erschießung von Gefangenen, nicht von Deserteuren, werden von Stabsoffizieren und anderen Augenzeugen mit offensichtlichem Genuß wiedergegeben.
In seinem Brief an Thiers protestiert Darboy
„gegen die gräßlichen Exzesse, die das Grauen unseres brudermörderischen Kriegs vermehren“.
In der gleichen Art schreibt Deguerry (curé de la Madeleine17):
„Diese Exekutionen rufen ‹in Paris großen Zorn hervor und können zu schrecklichen Repressalien führen.“ „So ist man entschlossen, für jede neue Exekution zwei der zahlreichen Geiseln hinrichten zu lassen, die man in der Hand hat. Urteilen Sie selbst, in welchem Maße das, worum (ich) Sie als Priester bitte, dringend und absolut notwendig ist).“
Inmitten dieser Greuel schreibt Thiers an die Präfekten: „L’Assemblée siège paisiblement.“ (Elle aussi a le coeur léger.)18
Thiers und la commission des quinze seiner Krautjunker besaßen die kaltschnäuzige Unverschämtheit, die „angeblichen Massenexekutionen und Repressalien, die den Versailler Truppen zugeschrieben werden“, „offiziell abzustreiten“. Aber Papa Transnonain [sagt] in seinem Zirkular vom 16. April über die Beschießung von Paris:
„Wenn einige Kanonenschüsse gefallen sind, so geschah das nicht durch die Versailler Armee, sondern durch einige Insurgenten, die glauben machen wollen, sie schlugen sich, wo sie sich doch nirgends zu zeigen wagen.“
Thiers hat unter Beweis gestellt, daß er seinen Helden, Napoleon I., wenigstens in einem übertrifft: in verlogenen Berichten. (Paris beschießt sich natürlich selber, damit es Herrn Thiers verleumden kann!)
Diesen widerlichen Provokationen der bonapartistischen Gauner gegenüber hat sich die Kommune damit begnügt, Geiseln zu nehmen und Vergeltungsmaßregeln anzudrohen, aber ihre Drohungen sind auf dem Papier geblieben! Nicht einmal die als Offiziere verkleideten Gendarmen, nicht einmal die gefangengenommenen Gendarmen, bei denen man Sprengbomben gefunden hatte, wurden vor ein Kriegsgericht gestellt! Die Kommune hat es abgelehnt, ihre Hände mit dem Blut dieser Bluthunde zu besudeln!
Einige Tage vor dem 18. März legte Clément Thomas dem Kriegsminister Le Flô einen Plan vor zur Entwaffnung von Dreiviertel der Nationalgarde.
„Die Blüte der Kanaille“, sagte er, „hat sich rund um Montmartre konzentriert und ist mit Belleville im Einverständnis.“
Die Nationalversammlung
Die am 8. Februar unter dem Druck des Feindes gewählte Versammlung, dem die in Versailles regierenden Männer alle Forts übergeben und Paris schutzlos ausgeliefert hatten, diese Versailler Versammlung hatte einen einzigen durch die am 28. Januar in Versailles unterzeichnete Konvention klar bestimmten Zweck: zu entscheiden, ob der Krieg fortgesetzt werden könne oder ob Frieden zu schließen sei; und, im letzteren Fall, die Friedensbedingungen festzulegen und die schnellstmögliche Räumung des französischen Territoriums zu sichern.
Chanzy, Erzbischof von Paris usw.
Die Freilassung Chanzys fand fast zur gleichen Zeit wie die Flucht Saisssets statt. Die royalistischen Journalisten sagten einstimmig den Tod des Generals voraus. Sie wollten diese liebenswerte Tat den Roten anhängen. Dreimal sei seine Hinrichtung angeordnet worden, und nun würde er wirklich erschossen werden.
Nach der Vendôme-Affäre: In Versailles herrschte Bestürzung. Ein Angriff auf Versailles wurde für den 23. März erwartet, denn die Führer der kommunalen Bewegung hatten angekündigt, daß sie gegen Versailles marschieren würden, falls die Nationalversammlung irgendeine feindselige Handlung unternähme. Die Versammlung unternahm nichts. Im Gegenteil: Sie stimmte einem dringlichen Vorschlag zu, Kommunalwahlen in Paris abzuhalten usw. Mit diesen Zugeständnissen gab die Versammlung ihre Machtlosigkeit zu. Gleichzeitig – royalistische Intrigen in Versailles. Bonapartistische Generale und der Herzog d'Aumale. Favre bekannte offen, er habe einen Brief von Bismarck erhalten, der besagt, Paris werde von deutschen Truppen besetzt werden, wenn bis zum 26. März die Ordnung nicht wiederhergestellt sei. Die Roten durchschauten klar diesen kleinen Kunstgriff. Die <Vendôme-Affäre wurde provoziert> von <dem Fälscher J.Favre, diesem infamen Jesuiten, der am> (21. März?) <die Tribüne der Versailler Versammlung bestieg, um das Volk, das ihn aus dem Nichts geholt hatte, zu beleidigen und Paris gegen die Departements aufzuwiegeln>.
30. März. Proklamation der Kommune:
„Heute mißbrauchen die Verbrecher, die ihr nicht einmal verfolgen wolltet, eure Großmut, um direkt vor den Toren der Stadt einen Herd monarchistischer Verschwörung zu organisieren. Sie beschwören den Bürgerkrieg herauf, sie setzen alle Arten der Bestechung ins Werk, sie nehmen jeden Helfershelfer an, sie haben sogar gewagt, beim Ausländer um Hilfe zu betteln.“
Thiers
Am 25. April sagte Thiers auf seinem Empfang für die Maires, Adjunkten und Gemeinderäte des Seine-Departements:
„Die Republik existiert. Das Haupt der Exekutivgewalt ist nur ein einfacher Bürger.“
Der Fortschritt Frankreichs von 1830 bis 1871 besteht nach Herrn Thiers darin: 1830 war Louis-Philippe „die beste der Republiken“; 1871 ist das ministerielle Fossil der Herrschaft Louis-Philippes, der kleine Thiers selbst, die beste der Republiken.
Herr Thiers begann sein Regime mit einer Usurpation. Von der Nationalversammlung wurde er zum Chef des Ministeriums der Versammlung ernannt; zum Chef der Exekutive von Frankreich ernannte er sich selbst.
Die Nationalversammlung und die Revolution von Paris
Die Versammlung, einberufen auf Diktat des fremden Eindringlings, war, wie in der Versailler Konvention vom 28. Januar klar niedergelegt wurde, nur für den einzigen Zweck gewählt: über die Fortsetzung des Krieges zu entscheiden oder die Friedensbedingungen festzulegen. Dadurch, daß sie das französische Volk an die Wahlurnen riefen, definierten die Pariser capitulards selbst klar diesen besonderen Auftrag der Versammlung, und das erklärt weitgehend ihre Zusammensetzung überhaupt. Da die Fortsetzung des Krieges schon durch die Waffenstillstandsbedingungen, die die capitulards demütig angenommen haben, unmöglich gemacht worden war, hatte die Versammlung faktisch nur den schmachvollen Frieden zur Kenntnis zu nehmen, und für diese besondre Tat waren die schlechtesten Leute Frankreichs gerade die besten.
Die Republik wurde am 4. September proklamiert, nicht von den Winkeladvokaten, die sich im Stadthaus als Verteidigungsregierung etabliert hatten, sondern durch das Volk von Paris. Ihr jubelte ganz Frankreich ohne eine einzige Stimme des Widerspruchs zu. Sie eroberte sich ihre Daseinsberechtigung durch einen fünfmonatigen Krieg, dessen Eckstein der lange Widerstand von Paris war. Ohne diesen Krieg, der von der Republik und im Namen der Republik geführt wurde, hätte Bismarck nach der Kapitulation von Sedan das Kaiserreich restauriert; die Winkeladvokaten mit Herrn Thiers an der Spitze hätten nicht um Paris willen verhandeln müssen, sondern wegen persönlicher Garantien gegen eine Reise nach Cayenne, und von der Krautjunker-Versammlung hätte man nie etwas gehört. Sie kam nur zusammen dank der republikanischen Revolution, die von Paris ihren Ausgang nahm. Da sie keine verfassungsgebende Versammlung war, wie Herr Thiers selbst bis zum Überdruß wiederholt hat, hätte sie nicht einmal, außer als bloßer Chronist der vergangenen Ereignisse der republikanischen Revolution, das Recht gehabt, die Absetzung der Dynastie der Bonaparte zu verkünden. Darum ist die einzige rechtmäßige Macht in Frankreich die Revolution selbst, deren Zentrum Paris ist. Diese Revolution wurde nicht gegen Napoleon den Kleinen, sondern gegen die sozialen und politischen Zustände gemacht, die das Zweite Kaiserreich hervorbrachten, die ihre letzte Vollendung unter seiner Herrschaft erhielten und die – wie der Krieg mit Preußen glänzend offenbarte – Frankreich in einen Leichnam verwandeln würden, wenn sie nicht durch die erneuernden Kräfte der französischen Arbeiterklasse verdrängt worden wären. Die Krautjunker-Versammlung, von der Revolution nur mit der Vollmacht betraut, die unheilvollen Bedingungen zu unterzeichnen, die ihre gegenwärtige „Exekutive“ dem fremden Eroberer in die Hand gegeben hatte, beging mit ihren Versuchen, die Revolution als einen ebensolchen capitulard zu behandeln, wie sie selbst einer war, eine ungeheuerliche Usurpation. Ihr Krieg gegen Paris ist nichts anderes als feige chouannerieunter dem Schutz preußischer Bajonette. Er ist eine gemeine Verschwörung zur Erdrosselung Frankreichs, um die Vorrechte, die Monopole und den Luxus der degenerierten, kraftlosen und verfaulenden Klassen zu retten, die es an den Abgrund gezerrt haben, vor dem es nur durch die Herkuleshand einer echten sozialen Revolution gerettet werden kann.
Thiers’ schönste Armee
Noch ehe er „Staatsmann“ wurde, hatte Thiers schon seine Stärke im Lügen als Geschichtsschreiber bewiesen. Aber die Eitelkeit, die für zwerghafte Leute so bezeichnend ist, hat ihn diesmal zum Gipfel des Lächerlichen verleitet. Seine Ordnungsarmee, der Abschaum der bonapartistischen Soldateska, von Bismarcks Gnaden aus preußischen Gefängnissen frisch rückimportiert, die päpstlichen Zuaven, die Chouans Charrettes, die Vendéer Cathelineaus, die „Municipals“ Valentins, die Ex-Polizeisergeanten Piétris und die korsischen Gendarmen Valentins, die unter Louis Bonaparte nur die Spione in der Armee, unter Herrn Thiers aber die kriegerische Blüte seiner Armee bilden, das Ganze unter der Aufsicht Epauletten tragender mouchards und unter dem Befehl der ausgerissenen Dezembermarschälle, die keine Ehre zu verlieren hatten – diesen buntscheckigen, häßlichen Haufen von Galgenvögeln nennt Herr Thiers „die schönste Armee, die Frankreich je gehabt“! Wenn er den Preußen immer noch gestattet, in St.Denis zu sitzen, so nur deshalb, um sie durch den Anblick der „schönsten Armee“ von Versailles zu schrecken.
Thiers
Kleine Staatsschuftereien. Ewiger Einbläser von Parlamentsintrigen, war Herr Thiers nie mehr als ein „fähiger“ Journalist und gerissener „Wortfechter“, ein Meister parlamentarischer Schufterei, ein Virtuose des Meineids, ausgelernt in all den kleinen Kriegslisten, gemeinen Treulosigkeiten und schlauen Kniffen des parlamentarischen Parteikampfs. Dieser boshafte Zwerg bezauberte die französische Bourgeoisie ein halbes Jahrhundert lang, weil er der getreuste geistige Ausdruck ihrer eigenen Klassenverderbtheit ist. Als er in den Reihen der Opposition saß, wiederholte er wieder und wieder seine schale Predigt von den „libertés nécessaires“19, um sie niederzustampfen, als er an die Macht kam. Wenn er nicht im Amt war, pflegte er Europa mit Frankreichs Schwert zu drohen. Um welcher Art waren seine diplomatischen Leistungen in Wirklichkeit? 1841 die Erniedrigung durch die Londoner Konvention einzustecken, den Krieg mit Preußen durch seine Deklamationen gegen die deutsche Einheit zu beschleunigen, Frankreich 1870 durch seine Bettelreise an alle europäische Höfe zu kompromittieren, 1871 die Pariser Kapitulation zu unterzeichnen, einen „Frieden um jeden Preis“ anzunehmen und von Preußen Erlaubnis und Mittel zu erflehen, um einen Bürgerkrieg in seinem eigenen niedergetretenen Vaterland zu entfachen. Einem Menschen seines Schlages blieben die verborgenen Kräfte der modernen Gesellschaft selbstverständlich immer unbekannt; aber er war sogar unfähig, die handgreiflichsten Veränderungen auf ihrer gesellschaftlichen Oberfläche zu verstehen. Zum Beispiel klagte er jede Abweichung von dem veralteten französischen Schutzzollsystem als eine Heiligtumsschändung an und verstieg sich als Minister Louis-Philippes dazu, den Bau von Eisenbahnen als törichtes Blendwerk verächtlich abzutun; sogar unter Louis Bonaparte widersetzte er sich eifrig jeder Reform der verfaulten französischen Heeresorganisation. Ein Mensch ohne Ideen, ohne Überzeugung und ohne Mut.
Ein professioneller „Revolutionist“ in dem Sinne, daß er in seiner Gier nach Pose, nach Macht und Bereicherung auf Kosten der Staatskasse, niemals Bedenken trug, wenn er in die Reihen der Opposition verbannt war, die Leidenschaften des Volkes zu erregen und eine Katastrophe zu provozieren, um einen Rivalen zu stürzen; gleichzeitig ist er ein äußerst flacher Routinier usw. Die Arbeiterklasse verleumdet er als die „vile multitude“20. Einer seiner früheren Kollegen in den gesetzgebenden Versammlungen, sein Zeitgenosse, ein Kapitalist und dennoch Mitglied der Pariser Kommune, Herr Beslay, wendet sich in einer öffentlichen Ansprache an ihn wie folgt:
„Die Unterwerfung (asservissement) der Arbeit unter das Kapital, das ist der ‹Kern› Ihrer Politik, und seit dem Tag, da Sie die Republik der Arbeit im Stadthaus eingesetzt sehn, haben Sie ohne Aufhören Frankreich zugerufen: ‚Das sind Verbrecher!'"
Kein Wunder, daß Herr Thiers durch seinen Minister des Innern Ernest Picard angeordnet hat, „die Internationale Assoziation“ an der Verbindung mit Paris zu hindern (Sitzung der Versammlung, 28. März). <Zirkular von Thiers an die Präfekten und Unterpräfekten.>
„Die guten Arbeiter, die im Vergleich zu den schlechten so zahlreich sind, sollten wissen, daß, wenn das Brot wieder ihre Münder flieht, sie es den Adepten der Internationale verdanken, welche die Tyrannen der Arbeit sind, als deren Befreier sie sich ausgeben.“
Ohne die Internationale...21
(Jetzt die Geldgeschichte.)22 (Er und Favre haben ihr Geld nach London übersiedelt.) Es gibt ein Sprichwort, daß, wenn Schurken sich streiten, die Wahrheit herauskommt. Wir können deshalb das Bild von Thiers nicht besser vollenden als mit den Worten des Londoner Moniteur, der dem Herrn seiner Versailler Generale gehört. Die „Situation“ sagt in ihrer Nummer vom 28. März:
„Herr Thiers ist niemals Minister gewesen, ohne die Soldaten zur Niedermetzelung des Volkes zu treiben, er, der Vaterlandsverräter, der Blutschänder, der Kassendieb, der Plagiator, der Verräter, der Ehrgeizling, der <Impotente>.“
Gewiegt in heimtückischen Kniffen und geriebenen Winkelzügen.
Vor der Julirevolution mit den Republikanern verbunden, erhaschte er sein erstes Ministeramt unter Louis-Philippe, indem er seinen alten Protektor Laffitte beisteschoß. Seine erste Tat war, seinen alten Mitarbeiter Armand Carrel ins Gefängnis zu werfen. Er schmeichelte sich als Spion bei Louis-Philippe ein, und als Gefängnisgeburtshelfer spionierte er bei der Herzogin von Berry, aber im Mittelpunkt seiner Tätigkeit standen die Niedermetzelung der aufständischen Pariser Republikaner in der rue Transnonain und die Septembergesetze gegen die Presse, um dann als stumpfgewordenes Werkzeug beiseitegeworfen zu werden. Nachdem er sich 1840 wieder an die Macht intrigiert hatte, entwarf er die Befestigungen von Paris, denen sich die gesamte demokratische Partei, ausgenommen die Bourgeoisrepublikaner vom „National“, als einem Anschlag auf die Freiheit von Paris widersetzte. Herr Thiers erwiderte auf ihren Protestruf von der Tribüne der Deputiertenkammer herab:
„Was? Sich einbilden, daß irgendwelche Festungswerke die Freiheit gefährden könnten ... Das heißt, sich völlig außerhalb aller Realitäten stellen. Und vor allem ist das eine Verleumdung ganz gleich welcher Regierung, wenn man voraussetzt, daß sie eines Tages versuchen könnte, sich durch ein Bombardement der Hauptstadt zu behaupten. Was? Nachdem sie mit ihren Bomben die Kuppel des Invalidendoms oder des Panthéons durchbohrt, nachdem sie das Heim eurer Familien dem Feuer preisgegeben, würde sie vor euch hintreten, um euch um die Bestätigung ihres Daseins zu bitten! Aber eine solche Regierung wäre nach dem Siege hundertmal unmöglicher als vorher.“
In der Tat, weder die Regierung des Louis-Philippe noch die der bonapartistischen Regentschaft wagte es, sich aus Paris zurückzuziehen und es zu bombardieren. Eine solche Benutzung der Befestigungen war Herrn Thiers vorbehalten, der sie ursprünglich entworfen hatte.
Als König Bomba23 von Neapel im Januar 1848 Palermo bombardierte, erklärte Herr Thiers wiederum in der Deputiertenkammer:
„Sie wissen, meine Herren, was in Palermo vorgeht: Sie alle erbeben vor Schauder, wenn Sie hören, daß 48 Stunden lang eine große Stadt bombardiert worden ist. Von wem? Von einem auswärtigen Feind, in Anwendung des Kriegsrechts? Nein, meine Herren, von ihrer eignen Regierung. Und weswegen? Weil diese unglückliche Stadt ihre Rechte forderte. Wohlan, und für die Forderung ihrer Rechte erhielt sie 48 Stunden Bombardement. Erlauben Sie mir, an die Meinung von Europa zu appellieren. Es heißt der Menschlichkeit einen Dienst erweisen, wenn man sich erhebt und von der vielleicht größten Tribüne Europas einige Worte der Entrüstung gegen solche Taten widerhallen läßt. Meine Herren, als die Österreicher vor 50 Jahren in Anwendung des Kriegsrechts Lille bombardieren wollten, um sich eine lange Belagerung zu ersparen, als später die Engländer, die ebenfalls das Kriegsrecht anwandten, Kopenhagen bombardierten, und erst kürzlich, als der Regent Espartero, der seinem Lande Dienste geleistet hatte, Barcelona bombardieren wollte, um einen Aufstand zu unterdrücken, da gab es in allen Teilen der Welt eine allgemeine Entrüstung.“
Über ein Jahr später spielte Thiers den wütendsten Verteidiger des Bombardements von Rom durch die Truppen der Französischen Republik und feierte seinen Freund, den General Changarnier, für die Niedersäbelung der Pariser Nationalgarden, die gegen diesen Bruch der französischen Verfassung protestierten.
Wenige Tage vor der Februarrevolution von 1848, unwirsch ob der langen Verbannung vom Amt, wozu Guizot ihn verurteilt hatte, und die wachsende Bewegung der Massen witternd, die ihn, wie er hoffte, in die Lage versetzen würde, seinen Rivalen zu vertreiben und sich Louis-Philippe aufzuzwingen, rief Thiers in der Deputiertenkammer aus:
<,Ich gehöre zur Partei der Revolution, nicht allein in Frankreich, sondern in Europa. Ich wünsche, daß die Regierung der Revolution in den Händen gemäßigter Männer bleiben möge; … aber sollte diese Regierung in die Hände heftiger Leute fallen, selbst in die von Radikalen, so werde ich darum doch meine Sache nicht im Stich lassen. Ich werde immer zur Partei der Revolution gehören.">
Die Februarrevolution niederzuschlagen, das war seine ausschließliche Beschäftigung von dem Tag an, da die Republik ausgerufen wurde, bis zum coup d'état.
Die ersten Tage nach der Februarexplosion versteckte er sich ängstlich, aber die Pariser Arbeiter verachteten ihn zu sehr, um ihn zu hassen. Doch bei seiner notorischen Feigheit – die Armand Carrel auf seine Prahlerei, „er werde eines Tages an [den] Ufern des Rheins sterben“, antworten ließ: „In der Gosse wirst du sterben“ – wagte er nicht, auf der öffentlichen Bühne eine Rolle zu spielen, ehe die Volkskräfte durch die Niedermetzelung der Juni-Insurgenten zusammengebrochen waren. Anfangs, als die Bühne noch nicht sicher genug war, um wieder öffentlich auf ihr zu erscheinen, beschränkte er sich darauf, die Verschwörung der Gesellschaft in der rue de Poitiers im geheimen zu lenken, deren Ergebnis die Restauration des Kaiserreichs war.
Während der Belagerung von Paris antwortete Jules Favre auf die Frage, ob Paris im Begriff sei, zu kapitulieren: Die Bombardierung von Paris wäre nötig, damit das Wort Kapitulation ausgesprochen werden könnte! Das erklärt seine melodramatischen Proteste gegen die Bombardierung durch die Preußen und warum die letztere eine Schein-Bombardierung war, während die Beschießung durch Thiers harte Wirklichkeit ist.
Parlamentarischer Pickelhäring.
Seit 40 Jahren steht Thiers auf der Bühne. Nie hat er auch nur eine einzige nützliche Maßnahme auf irgendeinem staatlichen Gebiet oder im praktischen Leben eingeleitet. Eitel, skeptisch, ein Epikureer: Er hat niemals um der Sache willen geschrieben oder gesprochen. In seinen Augen ist die Sache selbst bloßer Vorwand für die Schaustellung seiner Feder oder seiner Zunge. Außer seiner Gier nach Amt und Unterschleif und Geltung gibt es nichts Wirkliches an ihm, nicht einmal seinen Chauvinismus.
Im echten Stil vulgärer professioneller Zeitungsschreiber macht er sich heute in seinen Berichten über das schlechte Aussehen seiner Versailler Gefangenen lustig, dann wieder gibt er bekannt, daß die Krautjunker „sich wohl befinden“, dann macht er sich lächerlich durch seine Berichte über die Einnahme von „Moulin-Saquet“ (am 4. Mai), wo 300 Gefangene gemacht wurden.
„Der Rest der Insurgenten ist gelaufen, was er laufen konnte, 150 Tote und Verwundete auf dem Schlachtfeld zurücklassend“, und schnippisch setzt er hinzu: „Das ist der Sieg, den die Kommune morgen in ihren Berichten feiern kann.“ „Paris wird in kurzem befreit sein von den schrecklichen Tyrannen, die es bedrücken.“
Paris – das Paris der Masse des Pariser Volks, das gegen ihn kämpft, ist für ihn nicht „Paris“. „Paris – das ist das reiche, das kapitalistische, das faulenzende“ Paris (warum nicht das kosmopolitische Bordell?). Das ist das Paris des Herrn Thiers. Das wirkliche Paris, das arbeitende, denkende, kämpfende Paris, das Paris des Volkes, das Paris der Kommune ist eine „vile multitude“. Das ist die ganze Haltung des Herrn Thiers, nicht nur gegenüber Paris, sondern gegenüber Frankreich. Das Paris, das seinen Mut bei der „friedlichen Kundgebung“ und bei Saissets „Eskapade“ zeigte, das sich jetzt in Versailles, in Rueil, in Saint-Denis und Saint-Germain-en-Laye drängt, gefolgt von den Kokotten, die an den „Männern der Religion, der Familie, der Ordnung und des Eigentums“ hängen (das Paris der wirklich „gefährlichen“, der ausbeutenden und müßigen Klassen) (der „francs-fleurs“), die sich damit belustigen, den Kampf durchs Fernglas zu betrachten, für die „der Bürgerkrieg nur ein angenehmes Zwischenspiel ist“ – das ist das Paris des Herrn Thiers (ganz wie die Emigration von Koblenz das Frankreich des Herrn de Calonne war). In seinem vulgären Zeitungsschreiberstil weiß er nicht einmal eine Scheinwürde zu wahren, aber um von der Etikette der „Legitimität“ nicht abzuweichen, mordet er die Frauen, Mädchen und Kinder, die unter den Trümmern von Neuilly gefunden wurden. Er konnte es nicht unterlassen, die Gemeindewahlen, die er in Frankreich angeordnet hat, durch die Feuersbrunst von Clamart zu illuminieren, das mit Petroleumgranaten niedergebrannt wurde. Die römischen Geschichtsschreiber vollenden Neros Charakterbild, indem sie uns sagen, daß das Ungeheuer sich rühmte, ein Verschemied und Komödiant zu sein. Aber bringt einen bloßen professionellen Zeitungsschmierer und parlamentarischen Pickelhäring wie Thiers an die Macht, und er wird neronischer als Nero sein.
Wenn er den bonapartistischen „Generälen“ gestattet, sich an Paris zu rächen, spielt er seine Rolle nur als blindes Werkzeug von Klasseninteressen; aber seine eigene Rolle spielt er in der kleinen Nebenkomödie der Berichte, Reden, Aufrufe, in denen die Eitelkeit, die Niedertracht und der schlechteste Geschmack des Zeitungsschmierers zum Vorschein kommen.
Er vergleicht sich mit Lincoln und die Pariser mit den rebellischen Sklavenhaltern des Südens. Die Leute aus den Südstaaten kämpften für die Versklavung der Arbeit und die territoriale Trennung von den Vereinigten Staaten. Paris kämpft für die Befreiung der Arbeit und die Trennung der Staatsschmarotzer Thiers', der Möchtegern-Sklavenhalter Frankreichs, von der Macht!
In seiner Rede vor den Maires:
«Sie können sich auf mein Wort verlassen, das ich nie gebrochen habe!“
„Die Versammlung ist die liberalste Versammlung, die es in Frankreich je gegeben hat.“
Er wird die Republik retten24,
«vorausgesetzt, daß Ordnung und Arbeit nicht andauernd von denjenigen bedroht werden, die sich als spezielle Wächter des Wohls der Republik ausgeben“.»
In der Sitzung der Assemblée vom 27. April sagt er25:
«„Die Versammlung ist liberaler als er selbst!“»
Thiers, dessen rhetorischer Trumpf immer die Schmähung der Wiener Verträge war, unterschreibt den Pariser Vertrag, nicht nur die Losreißung eines Teils von Frankreich, nicht nur die Besetzung von fast seiner Hälfte, sondern die Milliarden der Kriegsentschädigung, ohne von Bismarck auch nur Aufstellung und Nachweis seiner Kriegskosten zu verlangen! Er gestattet der Versammlung in Bordeaux nicht einmal, die Artikel seiner Kapitulation zu diskutieren!
Er, der sein Leben lang den Bourbonen vorhielt, daß sie im Rücken ausländischer Armeen zurückkehrten und daß sie sich gegenüber den Verbündeten, die Frankreich nach dem Friedensschluß besetzt hielten, unwürdig benahmen, verlangt in dem Vertrag von Bismarck nichts als ein Zugeständnis: 40 000 Mann zur Niederwerfung von Paris (wie Bismarck im Reichstag feststellte). Paris war für alle Erfordernisse der inneren Verteidigung und gegen fremden Angriff vollständig durch seine bewaffnete Nationalgarde gesichert, aber Thiers fügte sofort zu der Kapitulation von Paris vor dem Ausländer die Kapitulation von Paris vor ihm selbst und Co. hinzu. Diese Abmachung war eine Abmachung zum Bürgerkrieg. Und diesen Bürgerkrieg selbst eröffnet er nicht nur mit passiver Duldung Preußens, sondern mit den Gefälligkeiten, die es ihm erweist, mit den gefangenen französischen Truppen, die es ihm großmütig aus den deutschen Kerkern schickt! In seinen Berichten, in seinen und Favres Reden in der Versammlung kriecht er vor Preußen im Staub und droht Paris alle acht Tage mit preußischer Intervention, nachdem es ihm nicht gelungen war, sie zu erwirken, wie von Bismarck selbst festgestellt worden ist. Die Bourbonen waren die Würde selbst im Vergleich zu diesem Pickelhäring, diesem großen Apostel des Chauvinismus!
Nach dem Zusammenbruch Preußens (Tilsiter Friede 1807) spürte seine Regierung, daß sie sich und das Land nur durch eine große soziale Erneuerung (Veränderung) retten konnte. Sie bürgerte in Preußen in kleinem Maßstab, innerhalb der Schranken einer Feudalmonarchie, die Ergebnisse der Französischen Revolution ein. Sie befreite die Bauern usw.
Nach der Niederlage Rußlands im Krimkrieg, die – mochte es auch durch die Verteidigung Sewastopols seine Ehre gerettet und den Ausländer durch seine diplomatischen Triumphe in Paris geblendet haben – doch im Lande selbst die Fäulnis seines sozialen und politischen Systems zutage gebracht hatte, befreite seine Regierung den Leibeigenen und veränderte das ganze Verwaltungs- und Gerichtssystem. In beiden Ländern war die kühne soziale Reform eingeengt und in ihrem Wesen beschränkt, da sie vom Thron aufgezwungen und nicht (anstatt zu sein) vom Volk erobert worden war. Trotzdem kam es zu großen sozialen Veränderungen, die die schlimmsten Vorrechte der herrschenden Klassen beseitigten und die ökonomische Basis der alten Gesellschaft veränderten. Sie spürten, daß die schwere Krankheit nur mit heroischen Mitteln geheilt werden konnte. Sie spürten, daß sie den Siegern nur mit sozialen Reformen antworten konnten, dadurch, daß sie Elemente der Erneuerung aus dem Volk ins Leben riefen. Die französische Katastrophe von 1870 ist ohne Beispiel in der Geschichte der Neuzeit! Sie zeigte, daß das offizielle Frankreich, das Frankreich des Louis Bonaparte, das Frankreich der herrschenden Klassen und ihrer Staatsparasiten – ein verwesender Leichnam ist. Und was ist der erste Versuch der schändlichen Leute, die durch Überrumpelung des Volkes an die Regierung gekommen waren und die sie dank einer Verschwörung mit dem fremden Eindringling weiter innehaben, was ist [ihr] erster Versuch? Unter preußischem Schutz durch Louis Bonapartes Soldateska und Piétris Polizei das in Paris begonnene ruhmvolle Werk der Erneuerung aus dem Volk zu erdrosseln, alle die alten legitimistischen Gespenster, die die Julirevolution schlug, die fossilen Schwindler des Louis-Philippe, die von der Februarrevolution geschlagen wurden, heraufzubeschwören und eine Orgie der Konterrevolution zu feiern! Solchen Heroismus übertriebener Selbsterniedrigung hat es in den Annalen der Geschichte noch nicht gegeben! Aber, und das ist in höchstem Grade charakteristisch, statt einen allgemeinen Entrüstungsschrei seitens des offiziellen Europas und Amerikas hervorzurufen, ruft er eine Welle der Sympathie und einen Strom wilder Anklagen gegen Paris hervor! Das beweist, daß Paris, seiner historischen Vergangenheit getreu, die Erneuerung des französischen Volkes darin sucht, das Volk zum Vorkämpfer der Erneuerung der alten Gesellschaft zu machen, daß es die soziale Erneuerung der Menschheit zur nationalen Aufgabe Frankreichs macht! Es ist die Emanzipation der produzierenden Klasse von den ausbeutenden Klassen, von ihren Gefolgsleuten und ihren Staatsparasiten, die die Wahrheit des französischen Sprichworts erhärten: „Les valets du diable sont pire que le diable.“26 Paris hat die Fahne der Menschheit gehißt!
18. März: Die Regierung belegte
„jedes Exemplar einer jeden Zeitschrift, wie immer ihr Charakter, mit einer Stempelgebühr von 2 Centimes“. „Verboten, neue Zeitschriften zu gründen bis zur Aufhebung des Belagerungszustands.“
Die verschiedenen Fraktionen der französischen Bourgeoisie waren nacheinander an der Macht: die großen Grundbesitzer unter der Restauration (den alten Bourbonen), die Kapitalisten unter der parlamentarischen Julimonarchie (Louis-Philippe), während ihre bonapartistischen und republikanischen Elemente im Hintergrund wühlten. Ihre Parteifehden und -intrigen wurden selbstverständlich unter dem Vorwand der öffentlichen Wohlfahrt ausgetragen, und wenn eine Volksrevolution diese Monarchien beseitigt hatte, entstand eine andere. Das alles änderte sich mit der Republik (vom Februar). Alle Fraktionen der Bourgeoisie verbanden sich in der Ordnungspartei, das heißt der Partei der Grundeigentümer und Kapitalisten, sie schlossen sich zusammen, um die ökonomische Unterjochung der Arbeit und die sie stützende Unterdrückungsmaschine des Staates zu behaupten. Im Unterschied zur Monarchie, deren Name schon das Übergewicht der einen Bourgeoisfraktion über die andere, den Sieg der einen Seite und die Niederlage der anderen (den Triumph der einen und die Demütigung der anderen Seite) bezeichnete, war die Republik die anonyme Aktienkompanie der vereinigten Bourgeoisfraktionen, aller Ausbeuter des Volkes zusammengenommen; und in der Tat umarmten einander Legitimisten, Bonapartisten, Orleanisten, Bourgeoisrepublikaner, Jesuiten und Voltairianer – nicht mehr verborgen unter dem Schirm der Krone, nicht mehr in der Lage, das Volk für ihre Parteifehden zu interessieren, indem sie diese als Kämpfe für das Volkswohl maskierten, nicht mehr einander untergeordnet. Direkter und offener Antagonismus ihrer Klassenherrschaft gegenüber der Emanzipation der produzierenden Massen; Ordnung – das ist der Name für die ökonomischen und politischen Bedingungen ihrer Klassenherrschaft und der Knechtung der Arbeit; diese anonyme oder republikanische Form des Bourgeoisregimes – diese Bourgeoisrepublik, diese Republik der Ordnungspartei ist das abscheulichste aller politischen Regimes. Ihr direktes Geschäft, ihr einziger raison d'être27 ist, das Volk zu unterdrücken. Sie ist der Terrorismus der Klassenherrschaft. Das wird auf folgende Weise erreicht: Das Volk kämpft und macht die Revolution, proklamiert die Republik und schafft Platz für eine Nationalversammlung; dann werden die Bourgeois, deren bekannte republikanischen Deklarationen eine Garantie für ihre „Republik“ darstellen, von der Mehrheit der Versammlung, die sich aus den besiegten und offenen Feinden der Republik zusammensetzt, in den Vordergrund der Bühne geschoben. Die Republikaner werden mit der Aufgabe betraut, das Volk in die Falle eines Aufstandes zu treiben, um es dann mit Feuer und Schwert niederzuschlagen. Diese Rolle wurde nach der Februarrevolution (bei der Juni-Insurrektion) von der Partei des „National“ mit Cavaignac an der Spitze gespielt. Durch ihr Verbrechen gegen die Massen verlieren diese Republikaner dann ihren Einfluß. Sie haben ihre Arbeit getan, und wenn ihnen auch gestattet wird, die Ordnungspartei in ihrem allgemeinen Kampf gegen das Proletariat zu unterstützen, so werden sie doch gleichzeitig von der Regierung entfernt, in die letzten Reihen gedrängt und nur „geduldet“. Die vereinigte royalistische Bourgeoisie wird dann zur Stütze der Republik, die wahre Herrschaft der „Ordnungspartei“ setzt ein. Da die materielle Kraft des Volkes zeitweilig gebrochen ist, beginnt das Werk der Reaktion – die Liquidierung aller in vier Revolutionen erkämpften Zugeständnisse – Schritt für Schritt. Das Volk wird bis zum Wahnsinn gepeinigt, nicht nur durch die Taten der Ordnungspartei, sondern auch durch die zynische Unverschämtheit, mit der es als besiegt behandelt wird und mit der in seinem eigenen Namen, im Namen der Republik, diese niedrige Bande es unumschränkt regiert. Selbstverständlich kann diese krampfhafte Form des anonymen Klassendespotismus nicht lange währen, kann nur eine Durchgangsphase sein. Die Bande weiß, daß sie auf einem revolutionären Vulkan sitzt. Andererseits setzt, wenn die Partei der Ordnung in ihrem Krieg gegen die Arbeiterklasse vereint ist – in ihrer Eigenschaft als Ordnungspartei –, das Intrigenspiel ihrer verschiedenen Fraktionen gegeneinander, jede für die Vorherrschaft ihres Sonderinteresses in der alten Ordnung der Gesellschaft, jede für die Restauration ihres eignen Prätendenten und persönlicher Ambitionen, mit voller Kraft ein, sobald die Herrschaft dieser Partei durch die Zerstörung der materiellen revolutionären Kräfte gesichert (garantiert) scheint. Diese Verbindung des allgemeinen Kriegs gegen das Volk mit der allgemeinen Verschwörung gegen die Republik, verbunden mit den inneren Fehden ihrer Herrscher und ihrem Intrigenspiel, lähmt die Gesellschaft, erregt ihren Widerwillen und verwirrt die Masse der Bourgeoisie, „stört“ das Geschäft, hält diese Klasse in einem Zustand chronischer Unruhe. Alle Bedingungen des Despotismus werden unter diesem Regime geschaffen (werden erzeugt), – aber ein Despotismus ohne Ruhe, ein Despotismus mit parlamentarischer Anarchie an der Spitze. Dann hat die Stunde für den coup d'état geschlagen, und die unfähige Bande muß irgendeinem glückbegünstigten Prätendenten Platz machen, der der anonymen Form der Klassenherrschaft [ein] Ende macht. Auf diese Weise machte Louis Bonaparte der Bourgeoisrepublik nach ihrem vierjährigen Bestehen ein Ende. Während dieser ganzen Zeit war Thiers „âme damnée“ der Ordnungspartei28, die im Namen der Republik die Republik bekriegte, einen Klassenkrieg gegen das Volk führte und in Wirklichkeit das Kaiserreich schuf. Er spielte damals genau die gleiche Rolle wie jetzt, allein damals nur als parlamentarischer Intrigant, jetzt als Haupt der Exekutive. Sollte er von der Revolution nicht überwunden werden, wird er jetzt wie damals ein getäuschtes Werkzeug sein. Welche der rivalisierenden Gruppen auch an die Macht kommen wird, ihr erster Akt wird sein, den Mann beiseitezuwerfen, der Frankreich an Preußen auslieferte und Paris bombardierte.
Thiers hatte Louis Bonaparte vieles übelgenommen. Letzter hatte ihn als Werkzeug und als Gimpel benutzt. Er hatte ihn erschreckt (seine Nerven erschüttert), als er ihn nach dem coup d'état verhaften ließ. Er hatte ihn vernichtet, indem er das parlamentarische Regime beseitigte, das einzige, unter dem ein bloßer Staatsparasit wie Thiers, ein bloßer Schwätzer, eine politische Rolle spielen kann. Und nicht zuletzt hatte Thiers als historischer Schuhputzer Napoleons so lange dessen Taten beschrieben, daß er sich einbildete, er habe sie selbst vollbracht. Die legitime Karikatur Napoleons I. war in seinen Augen nicht Napoleon der Kleine, sondern der kleine Thiers. Bei alledem gab es keine von Louis Bonaparte begangene Schändlichkeit, die nicht von Thiers unterstützt worden wäre, von der Besetzung Roms durch französische Truppen bis zu dem Krieg mit Preußen.
Nur ein Mann seiner Seichtigkeit kann sich einen Augenblick lang einbilden, daß eine Republik mit seinem Kopf auf ihren Schultern, mit einer halb legitimistischen, halb orleanistischen Nationalversammlung, mit einer Armee unter bonapartistischen Führern, ihn, wenn sie siegt, nicht beiseiteschieben wird.
Es gibt nichts Grotesk-Abscheulicheres als einen Däumling, der gern den Timur Tamerlan spielen will (die Rolle spielt). Bei ihm sind die Akte der Grausamkeit nicht nur eine Sache des Geschäfts, sondern Gegenstand theatralischer Schaustellung (Bühneneffekt) von phantastischer Eitelkeit. „Seine“ Bulletins zu schreiben, „seine“ Strenge zu zeigen, „seine“ Truppen, „seine“ Strategie, „seine“ Beschießungen, „seine“ Petroleumgranaten zu haben, „seine“ Feigheit unter der Kaltblütigkeit zu verstecken, mit der er den Dezembergaunern gestattet, sich an Paris zu rächen! Das ist eine Art Heroismus übertriebener Gemeinheit! Er ergötzt sich an der wichtigen Rolle, die er spielt, und dem Lärm, den er in der Welt macht! Er bildet sich durchaus ein, ein großer Mann zu sein! Und wie gigantisch (titanisch) muß er, der Zwerg, der parlamentarische Geiferer, in den Augen der Welt aussehen! Inmitten der schrecklichen Szenen dieses Krieges kann man nicht umhin, über die lächerlichen Kapriolen zu lächeln, die Thiers' Eitelkeit vollführt! Herr Thiers ist ein Mensch mit lebhafter Phantasie, er hat eine künstlerische Ader und die Eitelkeit eines Künstlers, die in der Lage ist, ihn zum Glauben an seine eignen Lügen und zum Glauben an seine eigne Größe zu verleiten.
Durch alle Reden, Bulletins usw. von Thiers zieht sich ein Hang zu aufgeblasener Eitelkeit.
Dieser affreux29 Triboulet:
Glänzende Beschießung (mit Petroleumgranaten) vom Mont-Valérien aus, sie zerstört30 einen Teil der Häuser in Les Ternes innerhalb des Walls(?), von einer grandiosen Feuersbrunst und einem fürchterlichen Kanonendonner begleitet, der ganz Paris erschüttert. Granaten absichtlich in die Viertel von Les Ternes und der Champs Elysées geschleudert.
Sprenggranaten, Petroleumgranaten.
Die Kommune
Der glorreiche britische Zeilenschinder hat die glänzende Entdeckung gemacht, daß dies nicht das ist, was wir unter Selbstverwaltung zu verstehen pflegen. Selbstverständlich, das ist es nicht. Es ist nicht die Selbstverwaltung von Städten durch Schildkrötensuppe schlürfende Aldermen31, geschäftemachende Kirchenbehörden und wilde Arbeitshausaufseher. Es ist nicht die Selbstverwaltung von Grafschaften durch die Besitzer großer Ländereien, dicker Geldsäcke und hohler Köpfe. Es sind nicht die gerichtlichen Schandtaten der „Großen Unbezahlten“. Es ist nicht die politische Selbstregierung des Landes durch einen oligarchischen Klub und das Lesen der Zeitung „Times“. Es ist das Volk, das selbst und für sich selbst handelt.
In diesem Krieg von Kannibalen das Ekelhafteste – das „literarische“ Geschrei des gräßlichen Zwergs, der an der Spitze der Regierung steht!
Die grausame Behandlung der Versailler Gefangnen wurde keinen Augenblick unterbrochen, und ihre kaltblütige Ermordung wurde wieder aufgenommen, sobald sich Versailles überzeugt hatte, daß die Kommune zu human war, ihr Dekret über Repressalien durchzuführen!
Das „Paris-Journal“ (in Versailles) meldet, daß 13 Liniensoldaten, die auf der Bahnstation Clamart gefangengenommen wurden, auf der Stelle erschossen worden sind, und daß alle in Versailles eintreffenden Gefangnen in Linienuniform sofort, nachdem ihre Identität geklärt ist, hingerichtet werden!
Herr Alexander Dumas, der Sohn, berichtet, daß ein junger Mann, der die Funktion eines Generals ausgeübt, wenn er auch den Generalsrang nicht hatte, erschossen wurde, nachdem er (unter Bewachung) einige hundert Yards zurückgelegt hatte.
5. Mai. „Mot d’Ordre“: ⟨Nach der „Liberté“, die in Versailles erscheint, „sind alle Soldaten der regulären Armee, die in Clamart unter den Insurgenten ergriffen wurden, auf der Stelle erschossen worden“⟩ (von dem Lincoln-Thiers!) (Lincoln anerkannte auch für den Gegner das Kriegsrecht). „Das sind die Leute, die an den Mauern aller französischen Gemeinden die Pariser als Mörder beschimpfen!“ Die Banditen!
Desmaret.
⟨Abordnung der Kommune in Bicêtre (am 27. April), um eine Untersuchung über die 4 Nationalgardisten des 185. Marschbataillons der Nationalgarde anzustellen, wo sie den überlebenden (schwer verwundeten) Scheffer besucht haben.
„Der Kranke hat erklärt, daß er am 25. April bei Belle-Epine, in der Nähe von Villejuif, mit drei seiner Kameraden von berittenen Jägern überrascht wurde, die sie aufforderten, sich zu ergeben. Da es sinnlos war, den sie umzingelnden Kräften Widerstand zu leisten, warfen sie ihre Waffen zu Boden und ergaben sich. Die Soldaten umringten sie, nahmen sie gefangen, ohne irgendwelche Gewalt oder Drohung gegen sie anzuwenden. Sie waren bereits einige Minuten Gefangene, als ein Rittmeister der Jäger eintraf und sich mit dem Revolver in der Faust auf sie stürzte. Ohne ein Wort zu sagen, feuerte er auf einen von ihnen und schoß ihn nieder; dann schoß er ebenso auf den Gardisten Scheffer, der eine Kugel direkt in die Brust erhielt und neben seinen Kameraden hinfiel. Die beiden anderen Gardisten wichen – von diesem schändlichen Überfall erschreckt – zurück, aber der rasende Rittmeister stürzte sich auf die beiden Gefangenen und tötete sie mit zwei weiteren Revolverschüssen. Nach dieser grausamen, barbarischen und feigen Tat zogen sich die Jäger mir ihrem Anführer zurück und ließen ihre Opfer auf dem Boden liegen.“)
Die „New- York Tribune“ übertrifft die Londoner Blätter.
Herrn Thiers’ „liberalste und freistgewählte Nationalversammlung, die es in Frankreich je gegeben hat“ verträgt sich bestens mit seiner „schönsten Armee, die Frankreich je gehabt“. Diese vergreiste, unter falschem Vorwand gewählte Chambre introuvable besteht fast ausschließlich aus Legitimisten und Orleanisten. Die Gemeinderatswahlen, die unter Thiers persönlich am 30. April durchgeführt wurden, zeigen ihr Verhältnis zum französischen Volk! Von (rund) 700 000 Gemeinderäten, die von den im verstümmelten Frankreich noch gebliebenen 35 000 Gemeinden gewählt wurden, sind 200 Legitimisten, 600 Orleanisten, 7000 geschworene Bonapartisten und der ganze Rest Republikaner oder Kommunisten. (Versailler Korrespondent der „Daily News“ vom 5. Mai.) Bedarf es noch eines weiteren Beweises, daß diese Versammlung mit der orleanistischen Mumie Thiers an der Spitze nur eine Minderheit von Usurpatoren vertritt?
Paris
Herr Thiers stellte die Kommune immer wieder als Werkzeug einer Handvoll von „Sträflingen“ und „ticket-of-leave-men“, des Abschaums von Paris hin. Und diese „Handvoll“ Desperados hält seit mehr als 6 Wochen die vom unbesiegbaren Mac-Mahon geführte und von Thiers' eignem Genius beflügelte „schönste Armee, die Frankreich je gehabt“, in Schach! Nicht nur die Taten der Pariser haben ihn widerlegt. Alle Schichten von Paris haben gesprochen.
„Man darf die Pariser Bewegung keineswegs mit der Überrumplung von Montmartre verwechseln, die nur Anlaß und Ausgangspunkt gewesen ist; diese Bewegung ist allgemein und wurzelt tief im Bewußtsein von Paris; sogar der größte Teil derer, die sich aus dem einen oder andern Grund von ihr ferngehalten haben, verneinen durchaus nicht deren soziale Rechtmäßigkeit.“
Wer sagt das? Die Delegierten der Syndikatskammern, Leute, die im Namen von 7000–8000 Kaufleuten und Industriellen sprechen. Sie sind nach Versailles gegangen und haben es dort gesagt… Die Ligue de la réunion républicaine… die Manifestation der Freimaurer usw.
Die Provinz
Les provinciaux espiègles.32
Wenn sich Thiers einen Augenblick lang einbildete, daß die Provinzen tatsächlich gegen die Pariser Bewegung wären, würde er alles in seiner Macht Stehende tun, um den Provinzen die günstigsten Möglichkeiten zu geben, jene Bewegung und alle „ihre Schrecken“ kennenzulernen. Er würde sie dazu anhalten, die Bewegung in ihrer nackten Realität anzusehen, sich mit ihren eigenen Augen und Ohren davon zu überzeugen, was sie ist. Das tut er nicht! Er und seine „Verteidigungsmänner“ versuchen, die Provinzen niederzuhalten, ihre allgemeine Erhebung für Paris durch eine Mauer von Lügen zu verhindern, so wie sie während der preußischen Belagerung die Nachrichten aus den Provinzen nach Paris nicht durchließen. Den Provinzen wird nur gestattet, Paris durch die Versailler camera obscura (Zerrspiegel) zu betrachten. ‹‹Nur die Lügen und Verleumdungen der Versailler Journale gelangen in die Departements und gelten dort etwas.›› Plünderungen und Morde von 20 000 ticket-of-leave-men entehren die Hauptstadt.
«„Die Liga hält es für ihre erste Pflicht, Klarheit zu schaffen und die normalen Beziehungen zwischen der Provinz und Paris wiederherzustellen.“)
So wie sie waren, als sie in Paris belagert wurden, so sind sie heute, da sie es belagern.
«„Wie in der Vergangenheit ist die Lüge ihre Lieblingswaffe. Sie unterdrücken und beschlagnahmen die Zeitungen der Hauptstadt, unterbrechen die Verbindungen, durchschnüffeln die Briefe, so daß die Provinz auf die Nachrichten angewiesen ist, die die Jules Favre, Picard und Konsorten ihr zu geben belieben, ohne daß es ihr möglich ist, die Richtigkeit nachzuprüfen.")
Thiers' Berichte, Picards Rundschreiben, Dufaures… Die Plakate in den Gemeinden. Die Versailler Gaunerpresse und die Deutschen. Der petit „Moniteur“. Die Wiedereinführung von Reisepässen, um sich von einem Ort zum andern zu begeben. Eine Armee von mouchards nach allen Richtungen ausgeschickt. Verhaftungen (in Rouen etc. unter preußischer Amtsgewalt) etc. ‹Die Tausende von Polizeikommissaren, die in der Umgegend von Paris verteilt sind, haben vom Polizeipräfekten Valentin Befehl erhalten, alle Zeitungen, ganz gleich welcher Richtung, die in der aufständischen Stadt gedruckt werden, zu beschlagnahmen und sie öffentlich zu verbrennen – wie in den besten Zeiten der Heiligen Inquisition.›
Die Regierung Thiers forderte zuerst die Provinzen auf33, Bataillone der Nationalgarden zu bilden und nach Versailles zum Kampf gegen Paris zu schicken.
„Die Provinz“, so schreibt eine Zeitung aus Limoges, „zeigte ihre Unzufriedenheit, indem sie die Freiwilligenbataillone verweigerte, die Thiers und seine Krautjunker von ihr forderten.“
Die paar Idioten aus der Bretagne, die unter der weißen Fahne fochten jeder mit dem Herzen Jesu in weißem Linnen auf der Brust, und deren Schlachtruf war: „Vive le roi!“34, sind die einzige „Provinz“-Armee, die sich um Thiers gescharrt hat.
Die Wahlen. „Vengeur“ vom 6. Mai.
Herrn Dufaures Preßgesetz (8. April). Offen gegen die „Exzesse“ der Provinzpresse gerichtet.
Dann die zahlreichen Verhaftungen in der Provinz. Sie fallen unter die Gesetze über die Verdächtigen.
〈Geistige und polizeiliche Blockade der Provinz.〉
23. April. Havre: Der Gemeinderat hat drei seiner Mitglieder nach Paris und Versailles gesandt mit dem Auftrag, seine Vermittlung anzubieten, um den Bürgerkrieg auf der Basis der Erhaltung der Republik und der Gewährung von munizipalen Freiheiten für ganz Frankreich zu beenden…
Am 23. April Delegierte aus Lyon von Picard und Thiers empfangen: 〈„Krieg um jeden Preis“〉 – jeden Antwort35.
〈Die Adresse der Delegierten von Lyon am 24.April von Greppo der Versammlung vorgelegt.〉
Die Gemeinden der Provinzstädte besaßen die große Unverschämtheit, ihre Abordnungen nach Versailles zu senden, um die Versailler aufzurufen, das von Paris Geforderte zu gewähren; nicht eine Gemeinde Frankreichs hat eine Adresse gesandt, die die Taten Thiers’ und der Krautjunker gutheißt; die Provinzblätter, ebenso wie diese Gemeinderäte – so beklagt sich Dufaure in seinem gegen die Versöhnung gerichteten Zirkular an die procureurs généraux –
〈„stellen die aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Versammlung in eine Reihe mit der selbsternannten Kommune von Paris und tadeln die erstere, weil sie Paris seine munizipalen Rechte nicht gewährt habe usw.“〉 –
– und was schlimmer ist, diese Gemeinderäte, zum Beispiel der von Auch,
〈„fordern einstimmig von ihr, unverzüglich einen Waffenstillstand mit Paris vorzuschlagen) und daß die am 8.Februar gewählte Versammlung sich selbst auflöst, weil ihr Mandat abgelaufen ist“. (Dufaure, Versailler Versammlung, 26.April.)
Man sollte festhalten, daß dies die alten Gemeinderäte waren, nicht die am 30.April gewählten. Ihre Abordnungen so zahlreich, daß Thiers beschloß, sie nicht mehr persönlich zu empfangen, sondern sie an einen untergeordneten Ministerialbeamten zu verweisen.
Schließlich die Wahlen vom 30.April – das endgültige Urteil über die Versammlung und die Wahlüberrumpelung, aus der sie hervorgegangen war. Wenn daher die Provinzen bisher nur passiven Widerstand gegen Versailles geleistet haben, ohne sich für Paris zu erheben, so ist das aus den festen Positionen zu erklären, die die alten Behörden dort noch innehatten, und aus dem Trancezustand, in den das Kaiserreich die Provinz versetzte und den der Krieg aufrechterhielt. Es ist offensichtlich, daß es nur die Armee, Regierung und die chinesische Lügenmauer der Versailler sind, die zwischen Paris und den Provinzen stehen. Wenn jene Mauer fällt, werden sich die Provinzen mit Paris vereinigen.
Es ist äußerst charakteristisch, daß dieselben Leute (Thiers und Co.), die im Mai 1850 durch eine Parlamentsverschwörung (Bonaparte half ihnen, um sie in eine Falle zu locken, um sie in der Hand zu haben und um sich selbst nach dem coup d'état als Wiederhersteller des allgemeinen Stimmrechts gegen die Ordnungspartei und ihre Versammlung auszugeben) das allgemeine Stimmrecht beseitigten, weil es ihnen unter der Republik noch Streiche spielen konnte, jetzt seine fanatischen Verfechter sind und es zu ihrer „legitimen“ Waffe gegenüber Paris machen, nachdem es unter Bonaparte so organisiert worden war, daß es ein bloßes Spielzeug in der Hand der Exekutive, einen bloßen Apparat des Betrugs, der Überrumplung und Fälschung seitens der Exekutive darstellte. 〈Kongreß der〉 Ligue des Villes („Rappel“, 6. Mai)
Trochu, Jules Favre und Thiers, Provinzler
Man könnte fragen, wie diese überalterten parlamentarischen Pickelhäringe und Intriganten wie Thiers, Favre, Dufaure, Garnier-Pagès (nur durch ein paar Schufte vom gleichen Kaliber verstärkt) es fertigbringen, nach jeder Revolution erneut auf der Bildfläche zu erscheinen und die Exekutivgewalt zu usurpieren, diese Leute, die stets die Revolution ausnutzen und verraten, die das Volk niederschießen, das sie verwirklicht, die die wenigen liberalen Zugeständnisse kassieren, welche früheren Regierungen abgerungen wurden? (Zu denen sie selbst in Opposition standen.)
Die Sache ist sehr einfach. In erster Linie verschont sie die Großmut des Volkes, auch wenn sie sehr unpopulär sind, wie Thiers nach der Februarrevolution. Nach jeder erfolgreichen Volkserhebung wird von den unversöhnlichen Feinden des Volkes der Ruf nach Versöhnung erhoben und vom Volke in den ersten Augenblicken der Begeisterung über seinen eignen Sieg wiederholt. Nach diesem ersten Augenblick bleiben solche Leute wie Thiers und Dufaure im Hintergrund, solange das Volk die materielle Gewalt besitzt, und arbeiten im Geheimen. Sie erscheinen wieder, sobald es entwaffnet ist, und werden von der Bourgeoisie als ihre chefs de file36 begrüßt.
Oder sie waren, wie Favre, Garnier-Pagès, Jules Simon etc. (ergänzt durch einige Jüngere von ähnlichem Kaliber) und Thiers selbst nach dem 4. September, die „honette“ republikanische Opposition unter Louis-Philippe; danach die parlamentarische Opposition unter Louis Bonaparte. Die reaktionären Regimes, die sie selbst vorbereiteten, wenn sie durch die Revolution an die Macht kamen, sichern ihnen die Reihen der Opposition, während sie die wirklichen Revolutionäre deportieren, töten und ins Exil treiben. Das Volk vergißt ihre Vergangenheit, die Mittelklasse sieht sie als ihre Leute an, ihre schändliche Vergangenheit ist vergessen, und so erscheinen sie wieder, um ihren Verrat und ihre Schandtaten von neuem zu beginnen.
Nacht vom 1. zum 2. Mai: Das Dorf Clamart war in der Hand des Militärs, die Bahnstation in der Hand der Aufständischen gewesen (diese Station beherrscht das Fort Issy). Durch einen Handstreich drang das 22. Jägerbata[illon] ein (wobei seine Patrouillen von einem Wachsoldaten hereingelassen wurden, da ihnen die Parole verraten worden war), überrumpelte die Garnison, von der die meisten in ihren Betten schliefen, machte nur 60 Gefangene und metzelte 300 Insurgenten mit dem Bajonett nieder. Dazu37 Liniensoldaten nachher auf der Stelle erschossen. Thiers besitzt die Unverschämtheit, in seinem Zirkular an die Präfekten, Zivil- und Militärbehörden vom 2. Mai zu sagen:
„Sie“ (die Kommune) „verhaftet Generale“ (Cluseret!), „nur um sie zu erschießen, und bildet einen Wohlfahrtsausschuß, der gänzlich unwürdig ist!“
Truppen unter General Lacretelle nahmen durch einen coup de main die Redoute Moulin-Saquet, die zwischen Fort d’Issy und Montrouge liegt. Die Garnison wurde durch Verrat des Kommandanten Gallien überrumpelt, der die Parole den Versailler Truppen verkauft hatte. 150 Föderierte mit Bajonetten niedergemacht und über 300 gefangengenommen. Herr Thiers, schreibt der Korrespondent der „Times“, war schwach, als er hätte stark sein müssen (der Feigling ist immer schwach, sobald er für sich Gefahr zu befürchten hat), und fest, als alles durch einige Zugeständnisse zu gewinnen war. (Der Schuft ist immer stark, wenn die Anwendung materieller Gewalt Frankreich ausblutet, und spielt sich auf, nur wenn er persönlich in Sicherheit ist. Das ist seine ganze Schlauheit. Thiers ist, mit den Worten des Antonius zu sprechen, ein „ehrenwerter Mann“.)
Thiers' Bulletin über38 Moulin-Saquet (4.Mai):
<„Befreiung von Paris von den scheußlichen Tyrannen, die es bedrücken“. („Die Versailler waren als Nationalgardisten verkleidet“); („der größte Teil der Föderierten schlief und wurde im Schlaf erschlagen oder gefangengenommen“.)
Picard: „Unsre Artillerie bombardiert nicht, sie kanoniert bloß“(„Moniteur des communes“, Picards Zeitung).
„Der sterbend in einer Gefängniszelle begrabene Blanqui, der von den Gendarmen in Stücke gehauene Flourens, der von Vinoy füsilierte Duval, – sie alle haben diese Leute am 31. Oktober in der Hand gehabt und ihnen nichts getan.“>